Arbeitslose sind keine Versager!

In diesem Land macht sich in letzter Zeit immer mehr eine Mentalität breit, die alle, die keine Arbeit haben oder die kein 6-stelliges Jahresgehalt bekommen als Versager sieht. Eine solche Mentalität finde ich gelinde gesagt widerlich. Insbesondere, wenn man arbeitslosen Menschen pauschal das Gefühl gibt, ein Nichtsnutz oder Versager zu sein, der nur anderen auf der Tasche liegt. Eine solche menschenverachtende Einstellung widerspricht diametral dem ersten Artikel unseres Grundgesetzes, der da lautet:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Jeder Mensch hat seine Würde und diese sollte von anderen Menschen, insbesondere den selbsternannten Eliten unseres Landes respektiert und geachtet werden, wie es unser Grundgesetz verlangt. Wobei ich zugebe, das ich für Menschen, die schlicht und einfach nicht arbeiten wollen, auch nur Verachtung übrig habe. Ich wage aber auch zu behaupten, das mindestens 90% der ALG 1 und ALG 21 Empfänger unverschuldet in ihrer aktuellen Lage sind und lieber gestern als morgen wieder arbeiten und ihren Lebensunterhalt selber bestreiten würden, wenn man sie denn ließe. Diesen Menschen pauschal das Gefühl zu geben, ein Nichtsnutz, Versager oder sogar Schmarotzer zu sein, ist einfach nur entwürdigend und nicht minder verabscheuenswert wie freiwillig ALG 2 zu beziehen und ein wirklicher „Sozial-Schmarotzer“ zu sein.

  1. Hartz IV in dem Sinne gibt es nicht []

CC BY-SA 4.0 Arbeitslose sind keine Versager! von Heiko Adams ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

6 Antworten auf „Arbeitslose sind keine Versager!“

  1. ALLE ALGII-Empfänger sind Schmarotzer! Ist so! Und Arbeitsunwillig! Ist auch so. Woher ich das weiß? Weil uns die Politik täglich dieses Gefühl und Unwissen suggeriert.

    Muss sie auch, denn ein Mensch mit Selbstachtung würde nicht die teilweise menschenverachtenden Jobs annehmen, wie es die Menschen machen, die in Not geraten sind. Und da nur noch die Arbeitslosenquote zählt und nicht der einzelne Mensch, fällt gleich eine ganze Bevölkerungsgruppe durch das Raster. Und niemand der Arbeitenden macht sich für sie stark, denn es sind ja Aussätzige. Siehe meine Eingangssätze.

    Meine Schwester sucht sich die Finger wund, in der letzten Woche wollte man sie mit Psychotricks und offenem Druck in der ARGE dazu bringen, einen Job anzunehmen, der auf drei Monate befristet ist und ihr fast 30 % weniger einbringen würde als das ALG I. Und sie muss jetzt schon – nur um die KOSTEN ZU DECKEN – einen Nebenjob bei McDonalds annehmen.

    Die gleiche Zeit – und die, die sie grübelnd auf dem Sofa verbringt – würde sie gerne in wertige Arbeit mit angemessener Bezahlung verbringen.

    Schaut Euch mal die letzten Jahre an, da ging es Netto für Renten und Arbeitslöhne bergab. Endlich will die Regierung gegensteuern und die Kaltprogression mindern. Genau. Jetzt, da das Volk ausgehungert wird und keine Kraft und keinen Mut mehr hat, zu protestieren. Werft ihnen ein paar Körner hin, die fressen diese und halten still. Auch ein Art von Regierungsstil….

  2. Gegen Minderheiten und schwächere zu hetzen war schon immer ein probates Mittel um die eigene Macht zu sichern und die Bevölkerungsgruppen, die einem gefährlich werden könnten, gegeneinander aus zuspielen.

    Man sollte nie vergessen, das, wenn man das Ergebnis der letzten Bundestagswahl in totale Zahlen umrechnet, nur knapp 1/3 der Wahlberechtigten Frau Merkel gewählt hat. Sie muss ergo höllisch aufpassen, die übrigen 2/3 sich nicht einig werden. Und was macht man da am besten? Minderheiten und die schwächsten der Gesellschaft gegeneinander ausspielen!

    Hat schon immer funktioniert und wird wohl auch in Zukunft bei dem dummen Deutschen immer wieder funktionieren.

  3. Meine Freundin wusste ein Jahr bevor ihre Firma dicht machte, das sie in einem Jahr keine Arbeit hat, sie ging auf dieses Amt.
    Ich erinnere, sie hatte immer noch einen Vollzeitjob. Nach nur einem Monat wurd ihr eine Maßnahme angeboten. Sie lehnte ab, sie hatte ja NOCH IMMER einen Job, sie war ja nur Suchend gemeldet. Ihr wurde eine Kürzung des Geldes angedroht.
    Hmmm welchen Geldes, sie bekam ja keines von denen????
    Als sie den Sachverhalt klären wollte wurde sie dort als nicht willig zu arbeiten eingestuft.

    Seitdem überlege ich schon, wie unqualifiziert ist man dort eigentlich, das erschreckt schon.

  4. Tja, Meiky, dann frag doch die Sachbearbeiter(in), was sie gelernt hat. Und ob sie bei der ARGE denn auch Vollzeit arbeitet und einen Festvertrag hat. Du wirst eventuell überrascht sein….

    Auch da wird auf Zeitpersonal gesetzt, welches frustriert und verängstigt auf den Ablauf der Vertragszeit starrt. Wie soll jemand produktiv und mit freiem Kopf arbeiten und denken, wenn es sicher ist, dass ein Engagement nicht honoriert wird?

  5. Zufällig kenne ich eine Frau, hat was echt tolle Studiert, suchte für ne gewisse Zeit Arbeit und bekam anhand ihres Studiums – einen Beraterposten angeboten auf dieser Behörde.
    Sie hat lachend abgelehnt – der Verdienst war ein gegenüber dem was sie in ihrem Job jetzt bekommt und vorher bekam ein Witz.

  6. Siehste… Und was bleibt übrig? Leute, die bereit sind, für wenig Geld die Zeit irgendwie abzureißen. Braucht man sich da Wundern?

    In der freien Wirtschaft dürfte sich niemand vor ein Assessment-Center stellen, tönen, dass er seit zwei Monaten in der Materie ist und dann keine Antwort geben können. Dass da nur noch frustrierte Menschen die ARGE verlassen – auf beiden Seiten – ist dann keine Überraschung.

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