Der Neoliberalismus geht mir mächtig auf die Nerven

Wann immer man die Zeitung aufschlägt, findet man einen Politiker, der mal wieder irgendwelche abgedroschenen neoliberalen Parolen heraus posaunt. Da ist davon die Rede, Bürokratie abzubauen zu müssen, von Flexibilisierung wird schwadroniert oder es wird mal wieder gefordert, die Hartz IV Leistungen noch weiter zu kürzen, damit das Lohnabstandsgebot eingehalten werden kann.

Wenn ich so was lese, geht mir regelmäßig die Hutschnur hoch. So schön sich „Bürokratieabbau“ und „Flexibilisierung“ auch anhören und so notwendig sie vielleicht auch sein mögen, in der Regel geht es nur darum, dafür zu sorgen, das Unternehmen und Menschen mit leistungslosem Einkommen, Staat und Gesellschaft noch schneller, ungenierter und einfacher plündern können, als bisher. Der dumme ist wie so oft der „kleine Mann“, der oft für einen Lohn, den man gerne auch als Frechheit bezeichnen mag, bis zum Umfallen arbeiten muss. Wenn er es aber wagt mehr Geld für seine Arbeit zu verlangen, wird er entweder gleich bei nächster Gelegenheit gefeuert oder man gibt ihm zu verstehen, er solle froh sein, überhaupt einen Job zu haben und er können ja „aufstocken“ gehen. Mit „aufstocken“ wird beschönigend das ergänzende Hartz IV,also die staatliche Subventionierung von Dumping-Löhnen, bezeichnet.

Und wo wir gerade beim Thema Hartz IV sind: Hartz IV-Empfänger sind ja in letzter Zeit die absoluten Lieblinge1 der Neoliberalen: Bei jeder besseren Gelegenheit wird der Eindruck vermittelt, das jemand, der Vollzeit arbeitet, mehr bekommen muss, als ein Hartz IV-Empfänger, was ja an sich nicht falsch ist. Nur ist die Forderung, die daraus resultiert ist um so falscher, weil die Neoliberalen doch allen ernstes verlangen, die Hartz IV Leistungen noch weiter zu kürzen. Richtiger wäre es, dafür zu sorgen, das Vollzeit-Arbeitnehmer mehr verdienen, was aber wieder zu Lasten der Profite der Unternehmen ginge, weshalb man daran gar nicht denken darf, wenn man nicht auf die großzügigen Spenden der Wirtschaft verzichten will. Aber gegen Niedriglöhner und Hartz IV-Empfänger zu hetzen und sie pauschal als faul und arbeitsunwillig zu verunglimpfen ist auch viel einfacher und hilft obendrein noch beim eigenen Machterhalt. Immerhin sind Niedriglöhner und Hartz IV-Empfänger laut der menschenverachtenden neoliberalen Logik ja selber Schuld, das keine oder eine schlecht bezahlte Arbeit haben.

Und dank der medialen Dauerbeschallung mit diesem neoliberalen Parolen sind die Hirne der meisten Menschen inzwischen so weich gekocht, das sie diesen Parolen glauben und sogar als ihre eigene Meinung übernehmen, ohne nachzudenken, was für einen Schwachsinn sie da eigentlich in bester Papageien-Manier nachplappern. Von einem Land der Dichter und Denker ist Deutschland mittlerweile so weit entfernt, wie die Sonne vom Pluto.

  1. in negativen Sinne []

CC BY-SA 4.0 Der Neoliberalismus geht mir mächtig auf die Nerven von Heiko Adams ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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