Geht es noch??

Aus dem Gespräch mit einem Freund:

Ich: Für weniger 2500 EUR Brutto steh ich nicht mehr auf, wenn ich nen neuen Job finde

Er: Dann bist Du selber Schuld, wenn Du keinen neuen Job findest!

Schon klar. Einstellungen wie diese sind es, die dafür sorgen, das man irgendwann froh sein muss, wenn man überhaupt noch ein Gehalt bekommt.

Man kann einfach keinen 7er BMW Touring in der höchsten Ausstattungsvariante verlangen, aber nur die Einstiegsvariante vom VW Polo bezahlen wollen. You get what you pay for. Und wer nur einen VW Polo bezahlt, der darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann nur noch die entsprechende Gegenleistung bekommt.

CC BY-SA 4.0 Geht es noch?? von Heiko Adams ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

11 Antworten auf „Geht es noch??“

  1. Richtig. Wer sich unter Wert verkauft, macht nur noch mehr die Gehälter kaputt. Irgendwie hat sich das wohl noch nicht zu den Arbeitgebern durchgesprochen, dass nur Affen für einen arbeiten, wenn man mit Erdnüssen bezahlt 😉

  2. Ein naher Verwandter suchte verdammt lange, echt verdammt lange. Jetzt hat er Frau und Kind und ist froh was zu haben, doch das Problem ist. Netto 1000 Euro, das höchste der Gefühle der letzten 8 Jahre, was er bekommen konnte.
    Er arbeitet nicht in seinem Job, er hat da nie mehr etwas bekommen.

    Sein Arbeitsweg beträgt im Monat 180 Euro Benzin, die Wohnung 500 Euro, seine Frau halbtags – bitte wie soll man da noch leben können und die Politik tönt rum, es ist doch alles OK – Ich möchte noch betonen, er ist in einer einst doch renomierten Firma hier.

  3. Hmmh, schwierig. Ich bin schon der Meinung, dass man für seine Arbeit angemessen bezahlt werden sollte. Deswegen bin ich auch für einen Mindestlohn. Allerdings hast du hier schon mal geschrieben, dass für dich nur eine Fahrtstrecke von höchstens 25 km in Frage kommt. Das kann ich nun nicht verstehen – damit scheiden ja Orte wie Kronach oder Bamberg , die in akzeptabler Entfernung liegen, für deine Arbeitssuche aus. Gerade in Coburg wird meinem Gefühl nach aber halt ziemlich schlecht bezahlt…

  4. Das Problem, das ich mit einer Strecke von mehr als 30 Km einfach habe ist, das dann schon fast eine 3 vor dem Komma stehen muss, damit sich die Sache wirtschaftlich rentiert. Aber wohlgemerkt vor dem Netto-Lohn.

    Bei einem Brutto-Lohn von 3000 Euro würden mir mit Steuerklasse III und einem Kind auf der Karte netto knapp 2200 Euro übrig bleiben. Für die Fahrerei nach Bamberg, Bayreuth oder Kronach dürften im Monat wahrscheinlich knapp 200 – 250 Euro (je nach Strecke und Benzinpreis) drauf gehen. Wenn man dann noch die Miete für eine ordentliche 3 Zimmer Wohnung sowie die Nebenkosten abzieht, dürfte von Netto-Lohn nicht mehr all zu viel zum Leben übrig bleiben. 🙁

    Oder wie ein guter Freund von mir mal so treffend sagte:

    Ich mache den Job zwar nicht des Geldes wegen, aber ich mache ihn auch nicht kostenlos. Und mit meinen fast 30 Lenzen will ich auch irgendwann einmal anfangen zu leben!

    Und um ehrlich zu seien, platzt mir jedes mal die Hutschnur, wenn sich so manche Lackaffen von Politiker hinstellen und einem weis machen wollen, das der Aufschwung auch beim normalen Bürger ankommt. An mir ist er in den letzten Jahren jedenfalls vorbei gegangen! 👿

  5. Es gibt beim „Normalen“ Bürger keinen Aufschwung. Egal was man mehr haben könnte wird sofort weggenommen. Siehe Wasser, jetzt wird soviel Wasser gespart, das die Wasserwerke bei uns eine hammer Abwassergebühr draufgeschlagen haben. Ich spare nun auch soviel Gas, das ich in einen Tarif rutsche in dem die Gasuhr doppelt soviel an Gebühren plötzlich kostet. Am Ende hab ich doch nix gespart, weil alle nur raffgierig sind.
    Und ich finde es unangemessen, bei so hohen Benzinpreisen sich plötzlich wie dieser GelbRote Benzinkonzern hinzustellen und zu sagen, in den ersten 3 Monaten 2011 haben wir 60% reinen Gwinn gemacht.

    Ein Famlilienmitglied bei mir hat sogar den Nebenjob aufgegeben, weil es in der Höhe war, in der es steuerpflichtig wurde. Er hat Kind und Frau, die Frau hatte 400 Euro Job. Der Abzug war plötzlich im Ganzen so hoch wie das was die Frau hatte. Somit gab er den Nebenjob wieder auf, weil er ja quasi umsonst arbeitete.

    Es ist einfach Fakt, in Deutschland lohnt Arbeit nicht, sagt sogar ein Existenzgründer den ich kenne. Er meint, gründen sie heute ein Geschäft, könnten ihre Enkel erst davon leben, außer sie haben eine Marktlücke entdeckt die immer seltener werden.
    Die Politik sollte mal ihre Hausaufgaben machen, aber die nehmen sich nur gegenseitig Doktortitel weg und schieben den schwarzen Peter hin und her.
    Ach so, Doktortitel weg, das heißt nun, wir werden von Schulabbrechern regiert, oder?

  6. McDonalds Job als Aushilfe: macht 7,13 € Brutto die Stunde. Bei 160 Monatsstunden: knapp 1.160 € Brutto.

    EVU4U, ein neuer Dienstleister für die Energiebranche, der in Coburg knapp 100 Plätze schaffen will: 800 Euro für einen Vollzeitjob. Verfügbarkeit? Am liebsten 365/24/7.

    Ein Bürojob in Rödental, als Büroleiterin, Vollzeit: 1.250 € Brutto.

    Das liese sich unendlich fortsetzen. Schon mal gefragt, warum solche Dienstleister nun nach Coburg drängen? Kaputtes Lohngefüge. Und dummerweise werden sich auch hier Menschen finden, die lieber für einen Hungerlohn die Konzerne reich machen, als sich in Hartz IV wieder finden. Schlau gemacht von der Regierung. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit quasi rechtelos, schon haben wir das Volk in Lohn und Brot. Oder Hungerlohn und Knäckebrot.

    Und dann noch die Sprüche, dass 150 km einfache Fahrt durchaus zumutbar wären. Aha. Und wer bezahlt das? Am besten, man kauft sich ein Wohnmobil und schläft dann einfach da, wo man müde wird.

  7. Es sind zwar nur 50 Km, die als zumutbar gelten, aber das kann auch schon bedeuten, das man z.B. jeden Morgen von Coburg nach Burgkundstadt zum Baur fahren „darf“. 👿

  8. Um das ganze ein wenig zu ändern, hilft eigentlich nur:
    1) Die private Arbeitsvermittlung mit ihren teilweise mafiösen Strukturen abschaffen
    2) Leih- und Zeitarbeit wieder stärker regulieren
    3) Sanktionen für Unternehmen, die Schwarzarbeiter beschäftigen drastisch verschärfen
    und last but not least
    4) Ein gesetzlicher bundesweiter Mindestlohn von 9,50 Euro Brutto

  9. Offiziell sind es wohl 50 km. Durch die Blume wurde meiner Schwester mitgeteilt, dass man auch auf 150 km bestehen könne. Ob das nun Panikmache war oder wirklich umgesetzt werden kann – in der Not mag man da nicht drüber nachdenken.

    Diese Zeitarbeitsfirmen sind doch nur möglich, weil die Regierung die Vorgaben entsprechend geändert hat. In der Bekanntschaft hat eine Frau ihre Arbeit verloren, durfte nach einem Monat Pause wieder auf genau dem gleichen Platz wieder anfangen. Nur war der Arbeitgeber dann eine Zeitarbeitsfirma. Der Verdienst war in einem Monat auch um 680 Euro geschrumpft. Die Differenz haben wohl der Arbeitgeber und der Chef der Zeitarbeitsfirme geteilt. Zu lasten des Arbeitnehmers. Nennt sich sowas noch Gewinnoptimierung?

  10. Ich nenne das Ausbeutung 😉

    BTW: Deine Schwester sollte vielleicht mal darüber nachdenken, Mitglied in einer Gewerkschaft zu werden. Mitglieder bekommen AFAIK auch bei Ärger mit dem Arbeitsamt Rechtsschutz von der Gewerkschaft.

    Und bei Arbeitslosen ist der Monatsbeitrag „nur“ 0,5(?)% vom Arbeitslosengeld. Also nicht wirklich teuer 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.