Bildungsföderalismus ist toll!

Lang lebe der Bildungsföderalismus in Deutschland. Er macht das Leben wunderbar kompliziert und ohne ihn hätten wir kaum Probleme wie mein aktuelles, was da lautet

Schreibe ich jetzt ‚mittlere Reife‘ oder ‚Erweiterter Sekundarabschluss 1‘ in den Lebenslauf?

Für alle nicht Niedersachsen hier mal ein kleiner Exkurs, um das Problem zu verdeutlichen:

Während es in den meisten Bundesländern nur den Realschulabschluss, den man allgemein als „mittlere Reife“ kennt, gibt, hat man in Niedersachsen beschlossen, diesen Abschluss in den Realschulabschluss und den Erweiterten Sekundarabschluss 1 1Erw. Sek.1 zu teilen. Und wie so oft steckt der Teufel im Detail. Auf das Gymnasium darf man in Niedersachsen nach der Realschule nur, wenn man den Erw. Sek. 1 bekommen hat. Mit dem normalen Realschulabschluss ist nach Klasse 10 erst einmal Endstation, was die schulische Laufbahn angeht.

Zurück zum eigentlichen Problem. Da der Erweiterter Sek.1 eine niedersächsische Eigenart ist, kann in Bayern und dem Rest der Republik kaum jemand etwas mit dem Begriff anfangen.

Um damit sind wir auch schon bei des Pudels Kern angekommen: Schreibe ich jetzt „mittlere Reife“ in meinen Lebenslauf, stimmen Lebenslauf und Kopie des Abschlusszeugnisses der Realschule nicht überein und ich darf im besten Fall entsprechende Nachfragen beantworten. Im schlimmsten Fall wird mir deswegen abgesagt. Schreibe ich hingegen „Erweiterter Sekundarabschluss 1“ in den Lebenslauf, kann ich darauf wetten, das ich den Leuten erklären darf, was das denn für ein „komischer“ Schulabschluss ist. 🙁

Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, um diese Zwickmühle aufzulösen, ist,

Erweiterten Sekundarabschluss 1 (mittlere Reife)

in den Lebenslauf zu schreiben. Nicht wirklich schön, aber Hauptsache, jeder weiß (hoffentlich), was Sache ist. 😎

Fußnoten[+]

Die Rückkehr des Schröderismus in der SPD

Der Münchener Merkur berichtet, das es anscheinend Bestrebungen innerhalb der Führungsriege der Bayern-SPD gibt, den Parteitagsbeschluss von 2009, welcher sich gegen den Bau der 3. Startbahn des Münchener Flughafens ausspricht, zu revidieren. Grund für diesen Kurswechsel ist anscheinend Christian Ude, der seine Bereitschaft zur Spitzenkandidatur von diesem Kurswechsel abhängig macht.

Das erinnert den leidgeprüften Genossen schmerzhaft an die Zeiten der Basta-Politik von  Gehard Schröder. Und ich muss ehrlich sein, das es langsam Leid bin, das sich die SPD von einzelnen Personen erpressen lässt. Sollte es tatsächlich dazu kommen, das sich Christian Ude mit seiner Erpressung durchsetzt, muss ich mir stark überlegen, ob die SPD auch weiterhin meine politische Heimat ist. Ich bin es ehrlich gesagt Leid, das die Partei in der Außenwirkung ihr Fähnchen in bester FDP-Manier nach dem jeweils wehenden Wind dreht.

Otto Wels, Willy Brand und andere ehrbare und standhafte Sozialdemokraten würde sich angesichts dieses permanenten Zick-Zack-Kurs wahrscheinlich im Grabe umdrehen.

Wie lange kann sich Guttenberg noch halten?

Das der Verteidigungsminister zu Guttenberg durch die Affäre um seine Doktorarbeit angezählt ist, dürfte wohl kaum jemand bezweifeln. Merkürdigerweise fällt seinen „Verteidigern“ nur die plumpe Diffamierung seiner Kritiker als „Neider“ ein. So sieht keine ernst gemeinte Verteidigung aus. So sehen Leute aus, die erkannt haben, das sie auf einem toten Pferd reiten. Auch die Rückendeckung der Kanzlerin dürfte sich für zu Guttenberg noch als Pyrrhussieg herausstellen.

Spätestens nach den Landtagswahlen, die dieses Jahr auf dem Kalender stehen, wird er für Merkel zur Belastung werden. Sofern er sich noch solange auf seinen Ministerposten halten und die Proteste gegen ihn bis dahin anhalten. Merkel ist zu sehr auf den eigenen Machterhalt bedacht, als das sie sich mit einem politisch nicht mehr tragbaren Verteidigungsminister ein zusätzliches Risiko ins Haus holt.

Das, was zu Guttenberg momentan davor schützt, auch von den eigenen Parteifreunden angegriffen und zum Rücktriff aufgefordert zu werden, ist seine (subjektive) Beliebtheit in der Bevölkerung. Und auch ohne Doktor-Titel ist zu Guttenberg intelligent genug, um zu wissen, das nur diese Beliebtheit in noch davor bewahrt, von Merkel zum Abschuss freigegeben zu werden. Er wird daher in der nächsten Zeit seine Beliebtheitswerte genau im Augen behalten und alles tun, damit diese nicht zu sehr unter der Plagiatsaffäre leiden.

Das sich jetzt der erste Ministerpräsident gegen Guttenberg stellt (>>klick), hat weniger mit Ehrlichkeit als mit der anstehenden Wahl in Sachsen-Anhalt zu tun. Herr Böhmer sorgt mit diesen Aussagen alleine aus wahltaktischen Gründen schon einmal vor, damit zu Guttenberg ihm nicht die Wiederwahl gefährdet. Sollte zu Guttenberg noch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stürzen, kann Böhmer von sich behaupten, einer der ersten zu sein, der ihm zum Rücktritt geraten hat und damit noch ein paar Extra-Sympathiepunkte sammeln. Hält zu Guttenberg jedoch bis zum Wahlabend in Sachsen-Anhalt durch, so kann Böhmer immer noch darauf verweisen, das ja bekanntlich nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. So zumindest dürfte wohl die Überlegung der Sachsen-Anhaltinischen CDU sein.

Ob dieses Kalkül aufgeht und ob zu Guttenberg beim nächsten Neujahrsempfang des Bundespräsidenten noch immer Bundesminister ist, wird die Zeit zeigen. Ich jedenfalls würde im Moment nicht auf die Lebenserwartung des Bundesministers Guttenberg wetten mögen. Immerhin dürfte Guttenbergs politische Karriere nach einem Rücktritt auch in Bayern beendet sein. Das in diesem Fall ein möglicher Nachfolger von Horst Seehofer als Partei- und/oder Regierunschef in Bayern wird, halte ich für höchst unwahrscheinlich.

Somit bleibt eigentlich nur ein Fazit: Egal, was zu Guttenberg auch tut, er kann dabei nur verlieren. Aber in diese Lage hat er sich letztendlich selber manövriert.

In Bayern ist Jugendschutz beim Glücksspiel ein Glücksspiel

Wie die Süddeutsche schreibt (>>klick), ist in Bayern der Jugendschutz beim Glücksspiel ein Glücksspiel. Laut dem Bericht der Süddeutschen haben Marktforscher über 2 Jahre hinweg Jugendliche als anonyme „Test-Zocker“ eingesetzt. Mit einem erschreckenden Ergebnis: In vielen Lotto-Annahmestellen konnten die Jugendlichen trotz gesetzlichem Verbot ohne Probleme an den Glücksspielen teilnehmen. Die vorgeschriebenen Ausweiskontrollen fanden in den meisten Fällen entweder nicht statt oder man glaubte der Behauptung der Jugendlichen, sie hätten ihren Ausweis zuhause vergessen.

Aber auch bei Erwachsenen machten die Annahmestellen oft keine gute Figur: in 97% der Tests wurden die erwachsenen Tester entgegen der gesetzlichen Vorschriften entweder nicht nach ihrem Ausweis gefragt oder man glaubte der Ausrede, das der Ausweis vergessen wurde, wenn sie an Sportwetten teilnehmen wollten.

Aufgrund dieser Testergebnisse wurde der Freistaat Bayern von der Münchner Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs verklagt und in der ersten Instanz zur Unterlassung verurteilt. Im Wiederholungsfall droht eine Ordnungsstrafe von 250.000 Euro.

Die Sache mit der Staatsferne

Facepalm des Tages: Frau Aures, ihres Zeichens u.a. Rundfunkrätin fordert allen ernstes anlässlich des 20. Münchner Tatorts einen fränkischen Tatort (>>klick). Jetzt bitte mal alle eine Runde Fremdschämen! Danke!

Vielleicht sollte man Frau Aures mal erklären, das der (öffentlich-rechtliche) Rundfunk de jure zur Staatsferne verpflichtet ist, auch wenn man das zuweilen nicht so genau nimmt 😉 Aber eigentlich sollte das Frau Aures ja bekannt sein. Zumindest sollte man solches Basis-Wissen von einer Rundfunkrätin erwarten können.

Insgesamt gibt Frau Aures mit solchen Forderungen, die ich persönlich unter Meinungsdünnschiss verbuche, die Landtagsfraktion ein Stück weit der Lächerlich preis. Anstatt einen fränkischen Tatort zu fordern, sollte sich Frau Aures lieber Gedanken über dringendere Probleme machen.

Maulwurfsjagd in München

Jetzt ist es also raus: laut Focus (>>klick) gibt es auch in der bayrischen Staatskanzlei von Horst Seehofer anscheinend einen Maulwurf. Und genau so wie beim Maulwurf in der FDP scheint es eine kurze Jagd zu werden. In der betreffenden, von WikiLeaks veröffentlichten Depesche, wird der Maulwurf als

State Secretary for Federal and European Issues

bezeichnet.

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