Die Sache mit Rücken, Brust und dem Knie

Es gibt als Softwareentwickler immer wieder Situationen, in denen man den sprichwörtlichen Weg

vom Rücken durch die Brust ins Knie

nehmen muss, um ans Ziel zu kommen.

Ein Beispiel dafür sind SQL Abfragen, die die „FOR XML'“ Anweisung nutzen, um die selektierten Daten als XML-Konstrukt auszugeben. Das Problem ist in diesem Fall, das die Ergebnisspalte den Namen „XML_F52E2B61-18A1-11D1-B105-00805F49916B“ trägt. Versucht man jedoch, diese Spalte auf die üblichen Wege mit ColdFusion anzusprechen, sprich mittels

<cfoutput query="meinQuer">#XML_F52E2B61-18A1-11D1-B105-00805F49916B# </cfoutput> 

oder

<cfloop query="meinQuery">#XML_F52E2B61-18A1-11D1-B105-00805F49916B#</cfloop>

hagelt es eine hässliche Fehlermeldung, da die Bindestriche im Spaltennamen anscheinend als Minus interpretiert werden. Einziger Weg, doch noch an Ziel zu kommen, ist folgende, Methode

<cfoutput>#meinQuery["XML_F52E2B61-18A1-11D1-B105-00805F49916B"][1]#</cfoutput> 

beziehungsweise

<cfloop>#meinQuery["XML_F52E2B61-18A1-11D1-B105-00805F49916B"][meinQuery.currentRow]#</cfloop>

Bei dieser Methode wird in dem ersten Klammerpaar nach dem Namen des Query-Objektes der Name der Spalte, auf die man zugreifen möchte, in Anführungszeichen angegeben. Im zweiten Klammerpaar wird die Nummer der gewünschten Zeile angegeben.

Da diese Möglichkeit in der offiziellen Doku von Adobe nicht erwähnt oder zumindest sehr gut versteckt ist, kennt sie auch nicht zwangsläufig jeder ColdFusion-Entwickler und ich bin auch erst nach langem Googeln darauf gestoßen.

Aber wie heißt es so schön

Wer keinen langen Atem hat oder nicht improvisieren kann, ist in diesem Beruf falsch!

😎

Ich bin unbesiegbar! :-)

Disclaimer: Das ist nur eine Anspielung auf „James Bond – Golden Eye“ 😉

Bei unserem Kunden, für den wir das Industrietechnik24 System entwickelt haben und weiterentwickeln, hat man sich vor einiger Zeit daran erinnert, das angeblich irgendwann einmal eine Funktion vorhanden war, um die Artikeldaten der Hersteller als Excel-Datei herunterladen zu können. Komischerweise war weder im aktuellen Quellcode noch in den Backups irgendetwas davon zu finden.

Damit blieben nur zwei Möglichkeiten:

  1. Unser Kunde hat irgendwas durcheinander gebracht
  2. Die Funktion war nur sehr kurz implementiert, ging aus Versehen live und wurde anschließend vollständig aus dem Quellcode gelöscht

Da die erste Option eher unwahrscheinlich ist, tendiere ich persönlich zu Option Nr. 2.

Wie dem auch sei: Da die Funktion nicht (mehr) vorhanden ist, unser Kunde diese aber wünscht, haben wir kurzerhand beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Was – wie so oft – im ersten Moment einfacher aussieht, als es dann tatsächlich ist. Letztendlich habe ich den ganzen Tag damit verbracht, diese Funktion (mit einigen „Vom Rücken durch die Brust ins Knie“ Hacks) zu implementieren.

Jetzt muss ich morgen nur noch schauen, wie ich die User ablenke, während die CSV-Datei mit den Artikeldaten erstellt wird. Die kann im Extremfall dummerweise bis zu 30 MB groß werden, was entsprechend lange dauert 😯 Aber da fällt mir auch noch was nettes ein, da bin ich mir sicher 😉

Denn wie heißt es so schön:

Wer nicht improvisieren kann, der hat in der Informatik nicht verloren

In diesem Sinne: happy hacking 🙂

Endspurt beim Bewerbungsmanager

Ich habe den Bewerbungsmanager bzw. dessen Sourcecode heute auf die Version 0.9.9 gehievt. Damit dürfte deutlich sein, das es sich um einen Release-Candidate handelt, der weit genug ausgereift ist, um demnächst als finale Version 1.0 veröffentlicht zu werden. 😉

Den Gepflogenheiten eines Open Source Projektes folgend, werde ich ausschließlich den Sourcecode und keine compilierten Binaries 1ausführbare Programmdateien veröffentlichen.

Fußnoten   [ + ]

1.ausführbare Programmdateien

Der K(r)ampf mit Flyback

Gestern kam ich auf die (im Nachhinein) bescheuerte Idee, ein rpm für flyback zu erstellen. Was sich Nachhinein als komplizierter als gedacht herausstellen sollte. Entweder sind die Programmierer Anfänger oder Idioten, die noch nie etwas davon gehört haben, das Python-Skripte unter /usr/bin und Glade-Dateien 1enthalten die Informationen für die Masken unter /usr/share/<Programmname> abgelegt werden. 👿

Blöder weise ist flyback nämliche so programmiert, das es die Glade-Dateien in einem Unterverzeichnis des Verzeichnisses erwartet, in dem die Python-Skripte abgelegt werden. Würde ich mich daran halten, würde das rpm mit Pauken und Trompeten durch den Review rasseln. Also Hardcore-Patching zum ersten. Danach ging der Spaß weiter, da den Python-Skripten die übliche #!/usr/bin/python Kopfzeile fehlte. Also nochmal sämtliche Python-Skripte patchen. Das zu guter letzt noch die .desktop-Datei und die Glade-Dateien von dem Execute-Attribut befreit werden mussten, fällt da kaum noch ins Gewicht.

Am Ende meiner kleinen Patch-Orgie habe ich 9(!) Patches, die beim Bauen des rpm auf die flyback-Dateien losgelassen werden. 😎 Natürlich habe ich die Patches an die Entwickler weitergereicht. Ich bezweifle jedoch, das sie Einzug in den upstream Code finden werden. 🙁 Nichts desto trotz habe ich diesen K(r)ampf heute Nachmittag gewonnen und meinen Review-Request für flyback eingereicht. :mrgreen:

Fußnoten   [ + ]

1.enthalten die Informationen für die Masken

Copyright für ein „Hello World“ Programm?

Also manche Anwälte haben echt einen an der Waffel. Etwas anderes fällt mir nicht ein, wenn ich folgende Zeilen im Code zu einer „Hello World“ Anwendung lese:

/*
 * Copyright (c) 1995, 2008, Oracle and/or its affiliates. All rights reserved.
 *
 * Redistribution and use in source and binary forms, with or without
 * modification, are permitted provided that the following conditions
 * are met:
 *
 *   - Redistributions of source code must retain the above copyright
 *     notice, this list of conditions and the following disclaimer.
 *
 *   - Redistributions in binary form must reproduce the above copyright
 *     notice, this list of conditions and the following disclaimer in the
 *     documentation and/or other materials provided with the distribution.
 *
 *   - Neither the name of Oracle or the names of its
 *     contributors may be used to endorse or promote products derived
 *     from this software without specific prior written permission.
 *
 * THIS SOFTWARE IS PROVIDED BY THE COPYRIGHT HOLDERS AND CONTRIBUTORS "AS
 * IS" AND ANY EXPRESS OR IMPLIED WARRANTIES, INCLUDING, BUT NOT LIMITED TO,
 * THE IMPLIED WARRANTIES OF MERCHANTABILITY AND FITNESS FOR A PARTICULAR
 * PURPOSE ARE DISCLAIMED.  IN NO EVENT SHALL THE COPYRIGHT OWNER OR
 * CONTRIBUTORS BE LIABLE FOR ANY DIRECT, INDIRECT, INCIDENTAL, SPECIAL,
 * EXEMPLARY, OR CONSEQUENTIAL DAMAGES (INCLUDING, BUT NOT LIMITED TO,
 * PROCUREMENT OF SUBSTITUTE GOODS OR SERVICES; LOSS OF USE, DATA, OR
 * PROFITS; OR BUSINESS INTERRUPTION) HOWEVER CAUSED AND ON ANY THEORY OF
 * LIABILITY, WHETHER IN CONTRACT, STRICT LIABILITY, OR TORT (INCLUDING
 * NEGLIGENCE OR OTHERWISE) ARISING IN ANY WAY OUT OF THE USE OF THIS
 * SOFTWARE, EVEN IF ADVISED OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.
 */

Für die Unwissenden unter uns: Hello Word Programme sind das erste Programm, was wohl jeder Programmierer geschrieben hat. Und darauf ein Copyright?? Ja ne, is klar 😎

Wenn ich sowas schon lese …

… kriege ich regelmäßig einen Föhn 👿

function ChkSub(const aString: string; iStart, iEnd: integer): boolean;
var
  n: integer;
begin
  for n := iStart to iEnd do
  begin
    if aString[n] in ['0'..'9', 'A'..'F'] then
    else
    begin
      Result := False;
      break;
    end;
  end;
end;

Zur Erklärung: Der Code durchsucht eine übergebene Zeichenkette (aString) zwischen zwei Positionen (iStart und iEnd) und prüft, ob an der jeweiligen Position ein Buchstabe oder eine Zahl steht. Ist dem nicht der Fall, wird der Durchlauf der Schleife mittels break abgebrochen und die Funktion liefert false als Ergebnis zurück.

Diese anscheinend von Anfängern 1nicht abwertend gemeint geschriebenen Code kann man aber wunderbar verkürzen und dann sieht das ganze so aus:

function ChkSub(const aString: string; iStart, iEnd: integer): boolean;
var
  n: integer;
begin
  for n := iStart to iEnd do
  begin
    Result := (aString[n] in ['0'..'9', 'A'..'F']);

    if not Result then
      Break;
  end;
end;

Ist doch gleich ein ganzes Stück kürzer und leserlicher 😉

Fußnoten   [ + ]

1.nicht abwertend gemeint