Leistungsschutzrecht? Für was?

Seit gestern Abend diskutiert das deutschsprachige Internet mehr oder minder lebhaft über das von der Verlegerlobby gewünschte und von der Bundesregierung jetzt beschlossene Leistungsschutzrecht.

Meine persönliche Meinung zu dieser Entscheidung habe bereits wie folgt auf Google+ kund getan:

Ein weiterer Beweis dafür, das wir uns eine Regierung leisten, die das Internet nicht versteht und die lieber Partikularinteressen befriedigt, anstatt sich um die wichtigen sozialen und gesellschaftlichen Probleme zu kümmern.

Jetzt stellt sich aber durchaus die Frage, für welche Leistung die Verlage ein Schutzrecht beanspruchen?

  • Dafür, das sie es bislang nicht geschafft haben, ihre veralteten Vertriebsmodelle nicht an die sich ändernde Medienlandschaft anzupassen? Frei nach dem Motto “die Realität hat sich mir anzupassen und nicht umgekehrt!“?
  • Oder vielleicht dafür, immer mehr Redaktionen, bevorzugt bei Lokalblättern, bis an deren Schmerzgrenze und darüber hinaus zusammen zu streichen und die lokalen Zeitungen immer mehr ihrer Identität zu berauben?
  • Vielleicht wollen sie sich auch einfach nur das stumpfe 1:1 übernehmen von Agenturmeldungen, inklusive der teilweise darin enthaltenen Fehler und Unwahrheiten, mehrmals kassieren?

Wie dem auch sei, ich sehe bei der Verlagslobby absolut gar nichts, was die Einführung eines solchen Schutzrechtes auch nur im Ansatz rechtfertigen würde. Aber hier erkennt man auch wieder einmal sehr deutlich das “Erfolgsrezept” der deutschen Wirtschaft, wenn es mal nicht mehr so rund läuft: ausdauernd und auf hohem Niveau über das “böse Internet” jammern und die eigenen Lobbyisten Überstunden machen lassen. Irgendwann hat man die entscheidenden Politiker schon weich gekocht und bekommt seine veraltetes Geschäftsmodell durch den Gesetzgeber zementiert.

Nebenbei hebelt man auf diesem Weg auch noch gewisse Mechanismen der freien Marktwirtschaft zu den eigenen Gunsten aus, die ansonsten irgendwann unweigerlich dafür sorgen würden, das man selber ein Opfer des Wettbewerbs wird und von der Bildfläche verschwindet, weil man es nicht rechtzeitig geschafft hat, sich an die veränderte marktwirtschaftliche Umgebung anzupassen.

Wie war das noch mit den Selbstheilungskräften eines freien Marktes?

Das fragwürdige Demokratieverständnis des Herrn S.

Die Neue Presse hat heute auszugsweise aus einem Brief des Vorsitzenden der Brose Gesellschafterversammlung zitiert, in dem dieser der Region Wirtschaftsfeindlichkeit vorwirft. Anlass des Briefes ist die berechtigte Sorge der Coburger Lokalpolitik, Brose könnte in Zukunft weitere Teile des Unternehmens aus Coburg verlagern.

Die zitierten Passagen offenbaren in meinen Augen jedoch ein sehr fragwürdiges Demokratieverständnis. Das lässt sich sehr gut daran erkennen, das er sich darüber beklagt, das die von Seiten der Wirtschaft und IHK unterstützte Kandidatin im letzten Kommunalwahlkampf nicht zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde und das sie während des Wahlkampfes als “Frau der Wirtschaft” bezeichnet wurde, was Herr S. als Makel interpretiert. Weiter führt er als “Beweis” für die Wirtschaftsfeindlichkeit der Region an, das die Bewohner des Landkreises den SPD-Kandidaten, der mit dem Slogan “Kein Flugplatz für die Wirtschaft” angetreten war, gewählt haben. Insgesamt kann man den Eindruck haben, das Herr S. ein Problem mit demokratischen Entscheidungen hat, solange sie nicht in seinem Interesse sind.

Frau Lochner wurde nicht gewählt, weil sie eine “Frau der Wirtschaft” war, sondern weil die Coburger erkannt haben, das sie nur eine Marionette eben dieser gewesen wäre. Das Frau Lochner seit der verlorenen Wahl als “Relocaterin” arbeitet unterstreicht diese These noch zusätzlich. Und wer ihr größter Auftraggeber sein dürfte, sollte auch nicht schwer zu erraten sein.

Womit wir bei der letzten Landratswahl wären. Dort hat sich bekanntlicher weise Michael Busch gegen den als Favoriten gehandelten Jürgen W. Heike mit seinem Slogan “Kein Flugplatz für die Wirtschaft” durchgesetzt. Das Herr S. dies als Beweis für seine Behauptung, die Region wäre wirtschaftsfeindlich, anführt zeigt nur, das ihm die berechtigten Interessen der betroffenen Bürger sowie die stichhaltigen Argumente gegen einen Verkehrslandeplatz in der Region nicht interessieren, da sie seinen eigenen Interessen im Weg stehen. Ich möchte jetzt aber nicht weiter auf das Flugplatz-Thema eingehen, da es genug Stoff für mindestens einen eigenen Beitrag bietet.

Insgesamt muss man feststellen, das Herr S. ein Mann mit einem fragwürdigem Demokratieverständnis und einem bekannter weise starkem Ego ist, der es jedoch immer wieder versteht, durch zeitlich gut platzierte Äußerungen die nötige Unruhe zu stiften, um seinen Interessen und Forderungen den in seinen Augen nötigen Nachdruck zu verleihen.

Für die Rückkehr zur Sachlichkeit in der Debatte um Joachim Gauck

Die Nominierung von Joachim Gauck als Kandidat für die Wahl zum nächsten Bundespräsidenten zeigt einmal mehr, wie tief gespalten unsere Gesellschaft ist. Nicht, das es etwas ungewöhnliches wäre, das es Pro- und Contra-Stimmen zu einem Kandidaten gibt. Aber die Verbissenheit, mit der einige Zeitgenossen ihre Argumente vortragen, ist in meinen Augen ein guter Beweis für die Spaltung der Gesellschaft.

Während die Contra-Gauck-Fraktion sich überwiegend an einigen wohl möglich unüberlegten Äußerungen Gaucks und der daraus erkennbaren Ideologie stören und ihn deshalb für den falschen Kandidaten (zur falschen Zeit) halten, kommt bei der Pro-Gauck-Fraktion immer wieder etwas zum Vorschein, das man durchaus und im weitesten Sinne als eine Art Fanatismus bezeichnen kann. Es wird teilweise mit recht fragwürdigen Methoden versucht, die Gauck-Gegner zu diskreditieren, indem man sie als uninformiert darstellt oder ihnen vorwirft, Aussagen von Gauck aus dem jeweiligen Zusammenhang zu reißen, um ihre Ablehnung zu untermauern. Zu diesen fragwürdigen Methoden zähle unter anderem, sich einige Anti-Gauck-Statements, welche die eigenen Thesen untermauern, herauspicken und diese dann als allgemeine Negativ-Beispiele für die Gauck-Gegner darzustellen.

Liebe Gauck-Fans, es spricht ja nichts dagegen, das Ihr “Euren” Kandidaten unterstützt und verteidigt, aber ich würde es begrüßen, wenn wir alle wieder auf eine sachliche Ebene zurückkehren könnten und wenn Ihr akzeptiert, das es auch Menschen in diesem Land gibt, die Gauck nicht als eine Art Heiland sehen, sondern als das, was er ist: Ein alter Mann mit einer neoliberal-konservativen Einstellung und Ideologie.

Herr Gauck wird sich beweisen müssen

Seit gestern Abend steht fest, das Joachim Gauck der nächste Bundespräsident wird und das seine Wahl in der Bundesversammlung nur noch reine Formsache ist, auf die man eigentlich auch genau so gut verzichten und ihn gleich ernennen und vereidigen könnte.

Herr Gauck wird, anders als einige seiner Vorgänger nicht über einen gewissen Vorschussbonus verfügen, was er sich jedoch aufgrund einiger Äußerungen in letzter Zeit selber zuzuschreiben hat. Spannend dürfte auch werden, welche sprichwörtlichen Leichen die Presse noch so in seinem Keller entdeckt bzw. wie gut er diese versteckt hat. Immerhin ist man schon fleißig am graben und hat erste Funde zu vermelden.

Herr Gauck wird sich insbesondere all jenen gegenüber beweisen müssen, die sich gegen die Vorratsdatenspeicherung, die zunehmende soziale Spaltung oder für den Atomausstieg engagieren. Chris hat Joachim Gauck nicht ganz unberechtigt einen Spalter und egoistischen Selbstdarsteller genannt.

Joachim Gauck wird nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten seinen Kritikern beweisen müssen, das er nicht nur pastorale Reden halten kann, sondern das er auch in der Lage ist, seine Ideologie zurück zu stellen und im Rahmen seiner Möglichkeiten dabei zu helfen, die zunehmende soziale Spaltung unserer Gesellschaft zu überwinden und der politischen Klasse das eine oder andere mahnende Wort in ihr politisches Stammbuch zu schreiben.

Ob es ihm gelingt, diese Herausforderung zu bewältigen, werden wir spätestens in 5 Jahren wissen, wenn sich die Frage stellt, ob er erneut kandidiert oder ob jemand anderes sein Nachfolger wird. Sofern er überhaupt so lange im Amt bleibt.

Spätestens seit Horst Köhler wissen wir, das ein Bundespräsident nicht automatisch 5 Jahre im Amt bleibt, sondern das er auch vorzeitig aus verschiedenen Gründen zurücktreten kann. Es wäre jedoch mehr als wünschenswert, das der nächste Bundespräsident nicht vorzeitig von seinem Amt zurücktreten muss, sondern sein Amt die nächsten 5 Jahre wahrnimmt und in dieser Zeit seinen Amtseid nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt.

137:0 Führung

Tote durch islamistischen Terror von 1990 bis 2010 in Deutschland: 0. Tote durch Nazi-Terror: 137. http://t.co/KS31WmN3
@Doener
Stephan Dörner

Unsere Bundesregierung musste die Tage ja entsetzt feststellen, das der braune Sumpf am rechten Rand unserer Gesellschaft auch terroristisches Potential hat. War man doch bislang immer davon ausgegangen, das nur Linke und Islamisten zu Terror fähig sind und hatte diese beiden Gruppen dementsprechend bei jeder sich bietenden Gelegenheit deshalb auch entsprechend gebasht.

Tja, das kommt davon, wenn man auf dem rechten Auge blind ist und sich diese Blindheit auch auf die Sicherheitsbehörden überträgt. :twisted:

Schule 2.0

Schule ist einer der wenigen 1.01 Bereiche in unserer Gesellschaft. Noch immer müssen unsere Kinder schon in der Grundschule schwere Ranzen mit unzähligen Büchern Tag ein, Tag aus mit sich herum schleppen und ihre Hausaufgabe mit Stift und Papier erledigen. Mit Ausnahme einiger weniger Fächer wie Mathematik wäre es jedoch relativ problemlos möglich, den Schulalltag größtenteils digital abzuwickeln.

Und das könnte in etwa so aussehen: Schüler bekommen zu Beginn des Schuljahres von der Schule gegen Kaution einen Tabletcomputer zur Verfügung gestellt der sowohl Schulbücher als größtenteils Stift und Papier ersetzt. Schulbücher werden als gemein freie oder Creative-Commons lizenzierte eBooks auf einem Intranet-Server der Schule gespeichert und von dort auf das Tablet herunter geladen. Digital erstellte Hausaufgaben werden vom Tablet auf einen Intranet-Server der Schule hoch geladen, dort von den Lehrern korrigiert und anschließend zum Download auf das Tablet des Schülers freigegeben.

Es gäbe sicher noch mehr Möglichkeiten, Tablets als primäres Medium in der Schule zu nutzen, aber ich wollte auch nur einen Denkanstoß geben, um zu zeigen, das so etwas relativ einfach umzusetzen wäre. Willkommen in der Schule 2.0 ;-)

  1. kaum oder gar nicht im digitalen Zeitalter angekommen []

Bauer sucht Frau – oder: der medial gesteuerte Verfall der Gesellschaft

Es ist mal wieder so weit: eine neue Staffel des Trash-TV Scripted-Reality-Formates “Bauer sucht Frau” und wird wohl auch diesmal wieder ordentliche Quoten abliefern.

Wer glaubt, das bei diesen Formaten alles echt und nichts gestellt oder gespielt ist, der möge doch bitte mal einen Termin beim Neurologen ausmachen und sich dort durchchecken lassen. Der einzige Sinn von solchen Formaten ist es, unter Ausnutzung der Mediengeilheit einzelner Leute diese auf die brutalst mögliche Weise bloß zustellen und vorzuführen und damit die Voyeuristischen Neigungen der Zuschauer zu befriedigen.

An solchen Formaten kann man aber auch sehr gut den Fortschritt des moralischen Verfalls unserer Gesellschaft ablesen. Vor 20 Jahren wäre – wenn überhaupt – nur eine einzige Folge dieser Sendung ausgestrahlt und das Format anschließend auf Grund des öffentlichen Protestes beerdigt worden. Heute jedoch haben die privaten Medien die Gesellschaft mit ihrem permanenten Trash-TV so weit “sturmreif” geschossen, das sie solche menschenverachtenden Formate ohne großes Risiko senden können.

Gute Nacht Deutschland, Du hast es ja nicht anders gewollt! :evil:

Anfrage an die SPD-Bundestagsfraktion

Da Netzpolitik.org ja berichtet, das die Union einen Gesetzentwurf für ein 2-Strikes-Warnmodell in den Bundestag einbringen will, habe ich mal bei der SPD-Bundestagsfraktion angefragt, wie man dort zu diesem Vorhaben steht:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie das Internet Blog Netzpolitik.org berichtet[1], hat der CDU-Politiker Siegfried Kauder auf einem Parlamentarischen Abend der Verwertungsgesellschaft GVL angekündigt, das die Unions-Fraktion binnen8 Wochen einen Gesetzesentwurf für ein 2-Strikes-Warnmodell in den Bundestag einzubringen wird.

Mich würde jetzt interessieren, wie die SPD Bundestagsfraktion zu solch einer Gesetzesinitiative steht und ob sie diesem Gesetzesentwurf zustimmen würden. Insbesondere vor dem Hintergrund, das es von dem angekündigten2-Strikes-Modell nur noch ein kleiner Schritt zu dem in Frankreich praktizierten 3-Strikes-Modell, welches als letzte Stufe eine Sperrung des Internetzugangs vorsieht, ist und speziell mit Blick auf die im Artikel 5 Grundgesetz garantierte Informationsfreiheit.

Mit freundlichen Grüßen

Heiko Adams

[1] https://netzpolitik.org/2011/kauder-verspricht-2-strikes-warnmodell/

Wer mag, darf den Text gerne kopieren und selber verwenden.

Kummer mit der Handynummer

Eigentlich sollte die weltbeste Ehefrau seit Donnerstag oder Freitag letzter Woche ebenfalls über das o2 Netz telefonieren. Eigentlich. Donnerstag bekam sie jedoch eine Mail von o2, in der ihr mitgeteilt wurde, das Vodafone die Mitnahme ihrer Rufnummer abgelehnt habe und wir uns zwecks Klärung mit Vodafone in Verbindung setzen mögen.

Nachdem wir uns mit der Zweiklassengesellschaft bei Vodafone herumgeschlagen haben und uns der Mitarbeiter an der Hotline jedoch nicht sagen konnte, warum der erste Versuch nicht funktioniert hat, haben wir o2 informiert, das sie einen zweiten Versuch starten sollen. Mal schauen, ob es diesmal klappt.

Zweiklassengesellschaft bei Vodafone?

Ob es bei anderen Mobilfunkanbietern ähnlich ist, kann ich nicht sagen, da ich bislang nicht darauf geachtet habe. Jedoch herrscht beim Kundenservice von Vodafone (D2) eine Art Zweiklassengesellschaft. Wer einen Laufzeitvertrag oder DSL-Anschluss hat, darf eine kostenlose Nummer anrufen, wer jedoch ein CallYa Karte besitzt, muss eine kostenpflichtige Rufnummer anrufen. Und der Trick, bei der kostenlosen Hotline anzurufen und sich von dort zur Kostenpflichtigen Hotline durch stellen zu lassen, funktioniert dummerweise auch nicht.

Wir wollten eigentlich nur in Erfahrung bringen, warum Vodafone die Portierung der Rufnummer der weltbesten Ehefrau zu o2 abgelehnt hat. Aber vielleicht haben wir morgen im Vodafone Shop mehr Erfolg.