Für die Rückkehr zur Sachlichkeit in der Debatte um Joachim Gauck

Die Nominierung von Joachim Gauck als Kandidat für die Wahl zum nächsten Bundespräsidenten zeigt einmal mehr, wie tief gespalten unsere Gesellschaft ist. Nicht, das es etwas ungewöhnliches wäre, das es Pro- und Contra-Stimmen zu einem Kandidaten gibt. Aber die Verbissenheit, mit der einige Zeitgenossen ihre Argumente vortragen, ist in meinen Augen ein guter Beweis für die Spaltung der Gesellschaft.

Während die Contra-Gauck-Fraktion sich überwiegend an einigen wohl möglich unüberlegten Äußerungen Gaucks und der daraus erkennbaren Ideologie stören und ihn deshalb für den falschen Kandidaten (zur falschen Zeit) halten, kommt bei der Pro-Gauck-Fraktion immer wieder etwas zum Vorschein, das man durchaus und im weitesten Sinne als eine Art Fanatismus bezeichnen kann. Es wird teilweise mit recht fragwürdigen Methoden versucht, die Gauck-Gegner zu diskreditieren, indem man sie als uninformiert darstellt oder ihnen vorwirft, Aussagen von Gauck aus dem jeweiligen Zusammenhang zu reißen, um ihre Ablehnung zu untermauern. Zu diesen fragwürdigen Methoden zähle unter anderem, sich einige Anti-Gauck-Statements, welche die eigenen Thesen untermauern, herauspicken und diese dann als allgemeine Negativ-Beispiele für die Gauck-Gegner darzustellen.

Liebe Gauck-Fans, es spricht ja nichts dagegen, das Ihr „Euren“ Kandidaten unterstützt und verteidigt, aber ich würde es begrüßen, wenn wir alle wieder auf eine sachliche Ebene zurückkehren könnten und wenn Ihr akzeptiert, das es auch Menschen in diesem Land gibt, die Gauck nicht als eine Art Heiland sehen, sondern als das, was er ist: Ein alter Mann mit einer neoliberal-konservativen Einstellung und Ideologie.

Kindergarten 2.0?

Auf Facebook scheinen im Moment Fotomontagen, auf denen die vermutliche Haftstrafe von Kim Schmitz mit Urteilen von angeblichen Mördern oder Kinderschändern verglichen werden, der letzte Schrei zu sein. Dirk Banarek hat sich auf Google+ dazu ausgelassen, und sehr anschaulich erklärt, warum diese Fotomontagen in den (virtuellen) Papierkorb gehören.

Bedauerlicherweise mutiert Facebook anscheinend immer mehr zu einer Art Kindergarten 2.0 oder vielleicht liegt es auch an dem Thema, das man auf folgenden Kommentar, den man zu eben so einer Fotomontage, welche von einer virtuellen Freundin gepostet wurde eine Antwort von einem anderen Diskussionsteilnehmer bekommt, die sich auf einem Niveau bewegt, das ich freundlich formuliert als unterirdisch bezeichnen würde.

Mein Kommentar:

könnt Ihr bitte aufhören, diesen unsäglichen Mist weiter zu posten?! Das ist einfach nur billigste Demagogie und mehr nicht.

Einen Kommentar später habe ich noch den Link auf den oben verlinkten Beitrag auf Google+ nachgereicht. Als Antwort kam dann folgendes:

auch wenn das Bild ein Fake ist, ist es die Wahrheit. Einmal einen Menschen misshandelt – WEG !! SO aus basta… was soll der scheiss mit dem dämlichen „er ist krank, unzurechnungsfähig, hatte ne schwierige Kindheit“, scheiss auf den psychokram. der Täter ist ein TÄTER und warum eigentlich wird immer über den TÄTER gesprochen???? Weg mit ihm und kein wort mehr..um das Opfer muss man sich kümmern!!! SCHEISS SYSTEM !!!!!

Sorry, aber wenn ich so einen Müll als Antwort bekomme, disqualifiziert sich der Schreiber für mich von alleine für jede weitere Diskussion, weil das eh Zeitverschwendung wäre und man letztendlich genau so gut mit einer Wand diskutieren könnte.

In solchen Momenten bin ich irgendwie froh, das ich noch nen Account bei Google+ habe. Dort kann man wenigstens noch sachlich diskutieren.

Glühwein für den Wasti? 2.0

Wir dürften heute auf dem Weihnachtsmarkt in Sesslach feststellen, dass es noch eine Steigerung zu den konventionellen Wastis auf Weihnachtsmärkten gibt: Wastis, die entgegen ihrer Natur – bevorzugt vom Frauchen – über den Weihnachtsmarkt getragen werden! 👿

Wahrscheinlich wird der Wasti aus Angst, in der Menschenmenge auf den Weihnachtsmärkten schlicht tot getrampelt zu werden, von Frauchen getragen. Immerhin sind die getragenen Wasti-Exemplare auch eher als Kompakt-Klasse zu bezeichnen und würden auch ohne größere Probleme in eine der üblich überdimensionierten Damenhandtaschen passen :mrgreen:

Gegen so einen Flug-Wasti hilft zum Glück das elterliche Doppler-Radar relativ zuverlässig: Derjenige Elternteil, der den Buggy schiebt, behält den Boden im Auge, der andere Elternteil scannt permanent den Luftraum rund um den Buggy nach getragenen Wastis. Das man deshalb kaum dazu kommt, die Auslagen der Stände zu begutachten, bedarf hoffentlich keiner weiteren Erwähnung! 👿

Es wäre aber auch mal interessant zu erfahren, ob die Wastis auch beim Verspeisen von Glühwein und Stollen getragen werden oder ob sie dann auf den harten Boden der Wirklichkeit müssen.

Um es nochmals zu erwähnen: Für hundefreie Weihnachtsmärkte!!!! 😈

Liebe SPD, wir müssen reden!

Liebe SPD, vielleicht ist es Euch ja entgangen, aber Ihr seit schon seit einigen Jahren keine Regierungs- sondern Oppositionspartei. Und die originäre Aufgabe der Opposition ist nicht, der Kanzlerin den Rücken zu stärken, sondern die Arbeit der Regierung zu kontrollieren und ggf. im Rahmen des möglichen einzugreifen und Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

Und was als verantwortungsbewusster Politiker mal gar nicht geht, ist, etwas zu zustimmen, obwohl man es nicht versteht! Das ist einfach nur unverantwortlich und unredlich!

Warum profitiert Ihr denn kaum von den sinkenden Umfragewerten der Schwarz-Gelben Regierung? Weil die Menschen inzwischen nicht zu unrecht den Eindruck haben, das es egal ist, wer regiert, weil sich eh nichts ändert! Weil die Menschen sehr oft und nicht wirklich unberechtigterweise den Eindruck haben, das vielen Abgeordneten ihre Nebeneinkünfte wichtiger sind, als ihr Mandat und das selbiges nur dazu dient, um an lukrative Jobs zu kommen. Aber um daran etwas zu ändern fehlt Euch einfach der nötige Arsch in der Hose!

Und um ehrlich zu sein, wünsche ich mir insgeheim, das die Wähler Euch 2013 gehörig in den Arsch treten und Eure Rot-Grünen-Phantasien dadurch gründlich verhageln, das die Piraten ihre momentanen Umfragewerte halten können und entsprechend stark in den Bundestag einziehen.

Bauer sucht Frau – oder: der medial gesteuerte Verfall der Gesellschaft

Es ist mal wieder so weit: eine neue Staffel des Trash-TV Scripted-Reality-Formates „Bauer sucht Frau“ und wird wohl auch diesmal wieder ordentliche Quoten abliefern.

Wer glaubt, das bei diesen Formaten alles echt und nichts gestellt oder gespielt ist, der möge doch bitte mal einen Termin beim Neurologen ausmachen und sich dort durchchecken lassen. Der einzige Sinn von solchen Formaten ist es, unter Ausnutzung der Mediengeilheit einzelner Leute diese auf die brutalst mögliche Weise bloß zustellen und vorzuführen und damit die Voyeuristischen Neigungen der Zuschauer zu befriedigen.

An solchen Formaten kann man aber auch sehr gut den Fortschritt des moralischen Verfalls unserer Gesellschaft ablesen. Vor 20 Jahren wäre – wenn überhaupt – nur eine einzige Folge dieser Sendung ausgestrahlt und das Format anschließend auf Grund des öffentlichen Protestes beerdigt worden. Heute jedoch haben die privaten Medien die Gesellschaft mit ihrem permanenten Trash-TV so weit „sturmreif“ geschossen, das sie solche menschenverachtenden Formate ohne großes Risiko senden können.

Gute Nacht Deutschland, Du hast es ja nicht anders gewollt! 👿

Aufstand der Wattestäbchen-Armee?

Seit einigen Wochen scheint es so, als wären die deutschen Datenschützer aus einer Art Letargie erwacht. So wird beispielsweise der Leiter des ULD nicht müde, deutsche Betreiber von Websites, die die Social-Plugins von Facebook und Co nutzen, zu verunsichern, indem er eben diesen mit Bußgeldern droht. So sehr man ihm in dem Punkt zustimmen muss, das diese Plugins alles andere als Datenschutzkonform sind, so falsch ist das gesamte Vorgehen an sich.

Wesentlich effektiver und nerven schonender wäre es, wenn man z.B. im Rahmen des EDV-Unterrichts in den Schulen den Menschen erklären und beibringen würde, wie sie z.B. Facebook so konfigurieren, das ihre persönlichen Daten möglichst gut geschützt sind und welche Daten sie am besten gar nicht erst bei Facebook hinterlegen.

Damit wäre auf lange Sicht mehr erreicht, als wenn man exemplarisch gegen einigen Firmen vorgeht und Bußgelder verhängt, welche diese Firmen wahrscheinlich aus der Porto-Kasse bezahlen. Man sollte nicht vergessen, das die deutschen Datenschützer letztendlich zahnlose Papiertiger sind und dass das politisch so gewollt ist.

Innere Werte

Ist jemand, der anstatt im Anzug und mit Krawatte z.B im Blaumann im Parlament sitzt, per se ein schlechterer Politiker? Ich finde, nein.

Entscheidend sollte nicht so sehr sein, wie sich ein Politiker kleidet oder ob er seinen Doktor mit »summa cum laude«1 gemacht hat. Viel mehr sollte „weiche“ Faktoren für die Beurteilung entscheidend sein. Ich würde jemanden wählen, der mir ehrlich sagt, das er von dieser oder jener Thematik keine Ahnung hat, als jemanden, der mir das Blaue vom Himmel erzählt, nur damit ich ihn wähle.

Und wenn man bei den so genannten Spitzenpolitikern mal auf die Nebeneinkünfte schaut, sollte eigentlich jedem vernunftbegabten Menschen ernsthafte Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Mandatsausübung kommen, wenn er sieht, das diese Nebeneinkünfte oft ein Vielfaches dessen sind, was derjenige als Diäten bekommt.

Einem Mitglied der Piratenpartei, das öffentlich erklärt, das es nicht des Geldes wegen in die Politik gegangen ist, nimmt man diese Behauptung durchaus ab. Wenn jedoch z.B. unser (noch?) Außenminister etwas vergleichbares von sich geben würde, würde er wahrscheinlich für allgemeines Gelächter sorgen, weil jeder glaubt, er habe einen Scherz gemacht.

Und damit sind wir bei des Pudels Kern angelangt. Viele Menschen in Berlin haben die Piraten nicht nur aus Protest gewählt, wie es CDU und SPD und mehr oder weniger unisono behauptet haben. Die Berliner haben die Piraten auch deshalb gewählt, weil sie (noch) authentisch sind und weil man ihnen (noch) abnimmt, das sie von dem, was sie machen, überzeugt sind, das sie es mit ihren Forderungen ernst meinen und auch zu diesen Forderungen stehen.

Die üblichen Verdächtigen der etablierten haben leider sehr oft den Kontakt zum eigenen Volk verloren und sie sprechen nicht mehr die selbe Sprache. Oder wer hat die Wahlprogramme von CDU, SPD oder Grünen auf Anhieb verstanden? Ohne sie selber gelesen zu haben, wage ich zu behaupten, das in diesen Texten mit Fremdwörtern, Fachbegriffen, Füllwörtern und verschachtelten Nebensätzen nicht gegeizt wird. Also mit all dem, wofür man in der Schule im Deutsch-Unterricht ordentlich Punktabzüge bekommen würde.

Die etablierten Parteien spielen in meinen Augen mit dem Feuer, wenn sie es sich so einfach wie im Moment machen und die Wählerinnen und Wähler der Piratenpartei pauschal als Protestwähler abstempeln. Diese Sichtweise offenbart in meinen Augen auch ein merkwürdiges Verständnis von Demokratie.

  • Nur weil jemand eine andere Partei als die etablierten wählt, ist er also ein Protestwähler?
  • Nur weil jemand dieses Politikertypus, der glatt wie ein Aal ist, sich möglichst nicht festlegen mag und immer versucht, everybodys darling zu sein, überdrüssig ist, ist er Protestwähler?

Nein, die etablierten Parteien haben sich inzwischen so weit von großen Teilen der Bevölkerung entfernt, das sie für diese so genannten „Protestwähler“ einfach unwählbar sind.

Es ist einfach von Zeit zu Zeit nötig, das frische und unverbrauchte Köpfe, die keiner politischen Kaderschmiede entsprungen sind, die politische Landschaft aufmischen und frischen Wind in die Politik bringen. Vor knapp 20 Jahren waren es die inzwischen im politischen Mainstream angekommenen Grünen, heute ist es die Piratenpartei und mal schauen, wer in 20 Jahren die politische Landschaft von neuem aufmischt 😉

  1. Hallo, Herr von und  zu Guttenberg :mrgreen: []