Selber Schuld!

Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber ist anscheinend am letzten Montag eingebrochen worden. So zumindest interpretiere ich die Vorladung zur Abgabe einer DNA-Vergleichsprobe, die ich heute erhalten habe. Und um es gleich klar zu stellen, da ich bis vor einigen Monaten dort gearbeitet habe, gelte ich als „Berechtigter“ und meine DNA-Probe dient nur dazu, eventuell vorhandene Spuren von mir, die ja durchaus noch existieren können, auszuschließen.

Das dort eingebrochen wurde, wundert mich aber auch nicht wirklich. Immerhin hat das Gebäude meines Wissens keinerlei Einbruchssicherungen und die leere Schublade der Kasse schreckt kaum einen Einbrecher ab, wenn er im Hintergrund noch diverse PCs und andere Hardware sieht. Zumal vor einigen Monaten schon einmal eine Schaufenster-Scheibe eingeschlagen wurde.

Tja, da kann man dann nur sagen: selber Schuld!

Langsam wird es langweilig

Also langsam wird es echt langweilig: wann immer in der letzten Zeit ein Politiker über seine eigenen Missetaten stolpert, wird »das Internet« zum Sündenbock erklärt, welches ursächlich für den Rücktritt ist. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: nicht das, was er selber verbockt hat, ist Ursache für diese Konsequenz, sondern das abstrakte technische Konstrukt „Internet“.

Und solche Leute sollen dann Vorbilder für die Gesellschaft sein? Schöne Vorbilder sind das, die versuchen, anderen die Schuld für ihre eigenen Fehler in die Schuhe zu schieben, nur damit möglichst wenig Flecken an der eigenen Weste hängen bleiben und man möglichst bald sein Comeback starten und wieder ordentlich Diäten und fette „Nebeneinkünfte“ einstreichen kann.

Da wundert es doch nicht wirklich, wenn die Politikerverdrossenheit in diesem Land unaufhaltbar zunimmt. Hätte so mancher Politiker selber den Anstand, den er von anderen verlangt, und würde ehrlicher zu sich, seinen Wählern und dem Rest der Gesellschaft sein, und zu eigenen Fehlern stehen, würde die politische Elite dieses Landes wahrscheinlich nicht pauschal mit negativen Attributen wie „verlogen“ oder „korrupt“ bedacht werden.

Geschichtskurs nötig

So so, die BLÖD-Zeitung war sich mal wieder nicht zu schade, den verbalen Durchfall 1Logorrhoe des Herrn Dobrindt, seines Zeichens Rampensau, Frontschwein und Generalsekretär der CSU, zu publizieren.

Wahrscheinlich in Folge eines akuten Anfalls von Realitätsverlust gibt Dobrindt dort u.a. folgendes zu Protokoll:

SPD, Grüne und Linkspartei müssen von uns gezwungen werden, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen und insbesondere das Unrecht des Mauerbaus und den SED-Unrechtsstaat ohne jede Relativierung beim Namen zu nennen.

Was Herr Dobrindt aber wohlwollend unterschlägt, ist die Tatsäche, das es die konservativen Parteien im Reichstag waren, die 1933 Adolf Hitlers Ermächtigungsgesetz zugestimmt und damit Deutschlands Weg in die Diktatur der Nazis geebnet haben.

Wenn sich hier also jemand für etwas entschuldigen sollte, dann sind es wohl eher die selbsternannten Konservativen. Immerhin haben sie eine gewisse Teilschuld an den Ereignissen, die letztendlich zur Teilung Deutschlands und dem Bau der Mauer geführt haben.

Vielleicht sollte man Herrn Dobrindt einen Auffrischungskurs in deutscher Geschichte, mit dem Schwerpunkt 1920 bis 1933, spendieren.

Fußnoten   [ + ]

Arbeitslose sind keine Versager!

In diesem Land macht sich in letzter Zeit immer mehr eine Mentalität breit, die alle, die keine Arbeit haben oder die kein 6-stelliges Jahresgehalt bekommen als Versager sieht. Eine solche Mentalität finde ich gelinde gesagt widerlich. Insbesondere, wenn man arbeitslosen Menschen pauschal das Gefühl gibt, ein Nichtsnutz oder Versager zu sein, der nur anderen auf der Tasche liegt. Eine solche menschenverachtende Einstellung widerspricht diametral dem ersten Artikel unseres Grundgesetzes, der da lautet:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Jeder Mensch hat seine Würde und diese sollte von anderen Menschen, insbesondere den selbsternannten Eliten unseres Landes respektiert und geachtet werden, wie es unser Grundgesetz verlangt. Wobei ich zugebe, das ich für Menschen, die schlicht und einfach nicht arbeiten wollen, auch nur Verachtung übrig habe. Ich wage aber auch zu behaupten, das mindestens 90% der ALG 1 und ALG 2 1Hartz IV in dem Sinne gibt es nicht Empfänger unverschuldet in ihrer aktuellen Lage sind und lieber gestern als morgen wieder arbeiten und ihren Lebensunterhalt selber bestreiten würden, wenn man sie denn ließe. Diesen Menschen pauschal das Gefühl zu geben, ein Nichtsnutz, Versager oder sogar Schmarotzer zu sein, ist einfach nur entwürdigend und nicht minder verabscheuenswert wie freiwillig ALG 2 zu beziehen und ein wirklicher „Sozial-Schmarotzer“ zu sein.

Fußnoten   [ + ]

1.Hartz IV in dem Sinne gibt es nicht

Geht es noch??

Aus dem Gespräch mit einem Freund:

Ich: Für weniger 2500 EUR Brutto steh ich nicht mehr auf, wenn ich nen neuen Job finde

Er: Dann bist Du selber Schuld, wenn Du keinen neuen Job findest!

Schon klar. Einstellungen wie diese sind es, die dafür sorgen, das man irgendwann froh sein muss, wenn man überhaupt noch ein Gehalt bekommt.

Man kann einfach keinen 7er BMW Touring in der höchsten Ausstattungsvariante verlangen, aber nur die Einstiegsvariante vom VW Polo bezahlen wollen. You get what you pay for. Und wer nur einen VW Polo bezahlt, der darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann nur noch die entsprechende Gegenleistung bekommt.