Wiederholt sich 9/11?

Irgendwie habe ich im Moment den Eindruck, das sich die Geschichte diesmal sehr schnell wiederholt: Die schrecklichen Anschläge von Paris und keine 48 Stunden danach wird nach schärferen Gesetzen gerufen und Kriegsrhetorik benutzt. Frankreich sei im Krieg. Gegen den DAESH (arabisches Akronym für ISIS) und all jene, die Frankreich von innen zerstören wollen. Grenzen werden geschlossen, der Ausnahmezustand wird verhängt und damit Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Gestern wurden dann noch quasi als Vergeltung DAESH-Stellungen in Syrien massiv bombardiert.

Irgendwie hab ich im Moment das Gefühl, das wir das alles schon einmal hatten: Nach dem, was wir alle nur noch als „9/11“ kennen: Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. Auch danach wurden Gesetze verschärft, Bürgerrechte eingeschränkt und mit Afghanistan ein souveräner Staat ohne ein UN-Mandat von den USA und einigen Verbündeten angegriffen, was dazu geführt hat, das die gesamte Region weiter destabilisiert wurde.

Die Parallelen sind erschreckend und es ist zu befürchten, das es auch dieses mal zum Schluss wieder heißen wird „außer Spesen nichts gewesen“ …

Gedanken zu Flüchtlingen und dem großen Ganzen

Deutschland war in der Vergangenheit für zwei Weltkriege mit unermesslichem Leid und Elend für Millionen von Menschen verantwortlich. Heute sind wir die Nr. 3 im weltweiten Waffenhandel, lassen die USA Atomwaffen auf deutschem Boden stationieren und schicken wider deutsche Kampftruppen in alle Welt.

SILLY - Vaterland - Das Musikvideo

  • Im Kosovo-Krieg waren deutsche Tornados direkt involviert und beim anschließenden Wiederaufbau haben auch wir versagt, weil man ein hochgradig korruptes politisches System entstehen ließ, das bis heute Bestand hat und Grund für die „Wirtschaftsflüchtlinge“ vom Westbalkan ist!
  • Afghanistan war nicht viel besser, dort haben wir zwar nicht am (völkerrechtswidrigen) Angriffskrieg teilgenommen, aber auch dort haben wir offensichtlich beim Wiederaufbau und bei der Ausbildung der Sicherheitskräfte eklatant versagt und letztendlich einen gescheiterten Staat hinterlassen, als man völlig überstürzt beschloss, die internationalen Kampftruppen von dort abzuziehen!

Da wundert es doch nicht wirklich, das Menschen aus diesen und auch anderen Ländern ihre Existenz dort aufgeben und in der Hoffnung auf Frieden, Sicherheit und ein besseres Leben zu uns kommen.

Und das, was die USA und Großbritannien bereit sind, an Flüchtlingen aufzunehmen, ist gelinde gesagt, ein extrem schlechter Witz, wenn man bedenkt, das es diese beiden Staaten waren, die völkerrechtswidrige Kriege gegen den Irak und Afghanistan vom Zaun gebrochen und damit eine ganze Region destabilisiert haben. Das die USA sich dann auch noch in den libyschen Bürgerkrieg eingemischt und damit auch dieses Land destabilisiert und anschließend syrische Rebellen mit Waffen beliefert haben, fällt da schon fast gar nicht mehr sonderlich ins Gewicht.

Von daher müsste man eigentlich sämtlichen Flüchtlingen aus diesen Staaten ein Flugticket in eines dieser beiden Länder geben und den dortigen Regierungen zu verstehen geben

Die Suppe habt Ihr Euch selber eingebrockt, jetzt seht zu, wie ihr sie alleine ausgelöffelt bekommt!

Das nennt man, glaube ich, Verursacherprinzip 😉

BTW: Das es die NATO im Jahr 2015 noch immer gibt, halte ich für einen Fehler in der Geschichte, der dringend korrigiert werden muss. Die NATO hätte sich eigentlich genau so wie der Warschauer Pakt nach dem Zusammenbruch des Ostblocks selber auflösen müssen. Immerhin hatte sie, wenn man ehrlich ist, mit dem Ende des Warschauer Paktes ihre Daseinsberechtigung verloren und ist vollends zu etwas verkommen, was man als „Bündnis amerikanischer Hilftruppen“ bezeichnen könnte. Das die Europäer den Generalsekretär stellen, ist reine Augenwischerei, da dieser innerhalb der NATO so gut wie nichts zu entscheiden hat. Entscheidung werden in der NATO vom SACEUR (Supreme Allied Commander Europe) getroffen, der aber immer ein Amerikaner ist. Und das die Amerikaner wirtschaftliche Interessen zuweilen auch mit militärischen Mitteln durchsetzen, ist ja im Grunde auch nichts neues. Von daher wäre es eigentlich höchste Zeit, dieses Überbleibsel aus dem kalten Krieg aufzulösen und damit die Rolle der UN zu stärken.

Just my 5 Cent

Angela Merkel hat in St. Petersburg richtig gehandelt

In den letzten Tagen wurde Angela Merkel in den Medien dafür kritisiert, das sie sich auf dem G20 Gipfel in St. Petersburg nicht hinter den US-Präsidenten Obama und seinen Syrien-Kurs gestellt und sich damit auf die Seite des immer autoritäreren russischen Präsidenten Putin geschlagen hat. Ich halte ihre Entscheidung jedoch im Grunde für absolut richtig, auch wenn ich nicht begeistert davon bin, das sie damit Putin den Rücken gestärkt hat.

Viele der Kritiker scheinen jedoch zu vergessen oder zu ignorieren, das momentan deutsche Soldaten und Patriot-Raketen an der türkisch-syrischen Grenze stationiert sind, um die Türkei gegen einen neuerlichen Raketenbeschuss aus Syrien zu verteidigen. Sie scheinen auch zu vergessen, das die Türkei sich nach den ersten Granaten-Angriffen aus Syrien die Option offen gehalten hat, im Falle einer neuerlichen syrischen Aggression in Syrien einzumarschieren.

Würden jetzt jedoch die USA und einige andere Staaten Syrien als Strafaktion für den Einsatz von Chemiewaffen gegen die syrische Zivilbevölkerung angreifen, wäre ein neuerlicher Beschuss der Türkei durch die syrische Armee nicht mehr auszuschließen und in Folge dessen würde ein Einmarsch der türkischen Armee in Syrien immer wahrscheinlicher. Zumal die türkische Regierung dadurch auch von ihren innenpolitischen Problemen ablenken könnte. Das würde dann jedoch zu der paradoxen Situation führen, das die deutschen Soldaten mit ihren Patriot-Raketen einen Aggressor verteidigen müssten und Deutschland dadurch ungewollt selber zu einem Kriegsteilnehmer werden würde. Anmerkung: Ähnliche Kettenreaktionen und Bündnisse führten 1914 zum Ausbruch des ersten Weltkrieges.

Angela Merkel hat deshalb völlig richtig gehandelt, indem Sie diesem obendrein völkerrechtswidrigen Ansinnen der USA die Unterstützung verweigert hat. Sie muss aber  auch so konsequent sein und die deutschen Soldaten samt der Patriot-Raketen umgehend aus der Türkei abziehen, sobald der US-Kongress und das Repräsentantenhaus den Weg für einen Militärschlag gegen Syrien frei machen.