Regressfrage zu E10-Kraftstoff [Update]

Folgende Frage muss auch mal gestellt werden:

Sehr geehrte Damen und Herren,
zugegebenermaßen ist meine Frage zwar momentan sehr theoretisch, jedoch nicht minder wichtig:

Zur Zeit wird flächendeckend der so genannte E10-Kraftstoff an den Tankstellen eingeführt. Dieser Treibstoff ist bekanntermaßen politisch gewollt und man wird durch die Preisgestaltung der Mineralölkonzerne mehr oder weniger genötigt, E10-Kraftstoff zu tanken, sofern das eigene Fahrzeug diesen „verträgt“.

Mich würde jetzt interessieren, wen man in Regress nehmen kann, wenn es trotz Freigabe des jeweiligen Fahrzeugherstellers zu Schäden am Motor bzw. Kraftstoffsystem kommt, die zweifelsfrei auf den E10-Kraftstoff zurückzuführen sind?

In diesem Fall war der „Empfänger“ der Frage das Bundesministerium für Justiz und der ADAC. Ich befürchte zwar irgendwie, das die Antwort auf „persönliches Pech“ hinauslaufen wird, aber dann will ich es wenigstens schwarz auf weiß haben 👿

Update 28.02.2011:

Der Leserservice des ADAC findet die Frage so interessant, das man sie an die juristische Zentrale zwecks fachlicher Beantwortung weitergeleitet hat. Mit ein wenig Glück werden Frage und Antwort sogar in einer zukünftigen Ausgabe der Motowelt veröffentlicht 🙂

Update 01.03.2011:

Das ging aber fix 🙂 Die Antwort der ADAC Juristen kam heute:

Sollte ein Schaden am Kraftfahrzeug eintreten, obwohl der Hersteller eine Freigabe für E10 erteilt hat, kommt eine Haftung wegen Verletzung seiner Instruktionspflicht im Rahmen der Produkthaftung in Betracht. Den Fahrzeugeigentümer trifft jedoch die Beweispflicht, dass der Schaden durch die Betankung mit E10-Kraftstoff verursacht wurde. Sollte dies nicht eindeutig geklärt werden können, gilt der Nachweis als nicht geführt. Der Schaden muss daher nicht nur nachweislich durch Bioethanol hervorgerufen worden sein, sondern gerade durch den erhöhten Biokraftstoffanteil in E10. Der Nachweis gilt ferner als nicht geführt, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass für den Schadeneintritt auch andere Ursachen verantwortlich sein können.

Und seien wir ehrlich: Der Beweis dürfte wohl sehr schwer zu führen sein 🙁

Die E10 Lüge

Die bisherigen Argumente gegen E10-Kraftstoff dürften inzwischen hinlänglich bekannt sein: in der Produktion teurer als E5-Kraftstoff, ca 3% höherer Kraftstoff-Verbrauch und weniger Motorleistung als bei E5-Kraftstoff.

Als ich heute Nachmittag mal wieder beim örtlichen Oktansaft Dealer vorbei schauen musste, um zu tanken, hatte ich noch ein wenig Zeit für einen kurzen Smalltalk mit dem Pächter der Tankstelle. Herr Büttner hat die Argumente gegen den E10 Kraftstoff ohne langes Zögern bestätigt und meinte sogar, das man mit E10-Kraftstoff unterm Strich so gut wie nichts spart, da man ja öfter tanken müsse als mit E5-Kraftstoff.

Ich habe dann zwar an der E10-Zapfsäule getankt, aber auch nur, weil laut Aussage von Hr. Büttner in den Tanks maximal E6-Kraftstoff wäre. Wie das geht? Ganz einfach, man nehme einen Tank, der ca. zu 50% mit E5-Kraftstoff gefüllt ist und kippe E10-Kraftstoff dazu 😉 In anderen Fällen würde man so etwas wohl „panschen“ nennen 😎

Nichts desto trotz werde ich auch in Zukunft die 4 Cent mehr für den „guten alten“ E5-Kraftstoff bezahlen. Ich lass mich doch nicht vera***** 👿

Dreiste Abzocke der Autofahrer

Laut der Neuen Presse hat sich Hans-Joachim Büttner 1Walther Tankstelle gegenüber dem Arbeitsamt deutlich über die aktuellen Spritpreise geäußert (>>klick) und prophezeit, das die aktuellen Preise noch um 5 – 6 Cent/Liter steigen werden.

Seiner Meinung nach haben die hohen Benzinpreise einzig den Zweck, den ab Februar flächendeckend verfügbaren E-10 Kraftstoff zu subventionieren und für die Kunden attraktiver zu machen. Diese Ansicht wird unter anderem auch vom ADAC geteilt.

Das würde dann bedeuten, dass das klassische Super-Benzin knapp 1,60 Euro/Liter kosten würde. Und das nur, um einen Kraftstoff, den sonst wohl kaum jemand tanken würde, mit Gewalt in den Markt zu drücken. Das kommt davon, wenn Produkte politisch gewollt sind und die Wirtschaft sich auf Knebelverträge 2mind. 6,25% Absatzquote, sonst Vertragsstrafen einlässt.

Komisch nur, das hier noch niemand aus der Politik lauthals „Abzocke“ schreit. Einige Politiker-Darsteller sind da doch sonst auch immer ganz schnell. Warum schweigen sie ausgerechnet jetzt?

Insbesondere verwundert es, das die, die ansonsten immer den freien Markt als Wunderwaffe gegen alle Leiden dieser Welt predigen, erstaunlich ruhig sind. Eigentlich müsste doch jedem Liberalen die Hutschnur hochgehen, angesichts dieser Wettbewerbsverzerrung. Aber wahrscheinlich hat die Mineralölindustrie großzügig gespendet und sich damit ihren Seelenfrieden erkauft.

Fußnoten[+]