Langsam wird es langweilig

Also langsam wird es echt langweilig: wann immer in der letzten Zeit ein Politiker über seine eigenen Missetaten stolpert, wird »das Internet« zum Sündenbock erklärt, welches ursächlich für den Rücktritt ist. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: nicht das, was er selber verbockt hat, ist Ursache für diese Konsequenz, sondern das abstrakte technische Konstrukt „Internet“.

Und solche Leute sollen dann Vorbilder für die Gesellschaft sein? Schöne Vorbilder sind das, die versuchen, anderen die Schuld für ihre eigenen Fehler in die Schuhe zu schieben, nur damit möglichst wenig Flecken an der eigenen Weste hängen bleiben und man möglichst bald sein Comeback starten und wieder ordentlich Diäten und fette „Nebeneinkünfte“ einstreichen kann.

Da wundert es doch nicht wirklich, wenn die Politikerverdrossenheit in diesem Land unaufhaltbar zunimmt. Hätte so mancher Politiker selber den Anstand, den er von anderen verlangt, und würde ehrlicher zu sich, seinen Wählern und dem Rest der Gesellschaft sein, und zu eigenen Fehlern stehen, würde die politische Elite dieses Landes wahrscheinlich nicht pauschal mit negativen Attributen wie „verlogen“ oder „korrupt“ bedacht werden.

Vorbilder, die keine mehr sind

Man sagt eigentlich, das Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, Vorbilder für den Rest der Gesellschaft sein und mit gutem Beispiel vorangehen sollen.

Von dieser noblen Forderung ist heutzutage jedoch nur noch wenig bis gar nichts übrig geblieben. Mit sehr viel Wohlwollen könnte man sagen, das viele derer, die in der Öffentlichkeit stehen, Vorbilder dafür sind, wie man es nicht machen soll.

Jüngstes Beispiel sind wohl die Politiker, welche dabei erwischt wurden, das sie sich ihren Doktor-Titel durch etwas, das man gemeinhin als „Betrug“ bezeichnen würde, erschlichen haben. Und auch im Moment des Ertappt werden verhalten sich diese Politiker wenig vorbildlich sondern eher wie Sechstklässler, die beim Abschreiben vom Nachbarn erwischt wurden:

Anstatt ihr Fehlverhalten offen und ehrlich zuzugeben und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, wird erst einmal versucht, alles ab zu streiten oder mit fadenscheinigen Ausreden zu rechtfertigen. Falls das alles nicht funktioniert, wird als letztes Mittel versucht,  sich als Opfer eine Kampagne darzustellen, die vom politischen Gegner initiiert wurde.

Aber auch in der freien Wirtschaft sind viele Akteure auch kein Kind von Traurigkeit, wenn es darum geht, sich selbst oder dem eigenen Unternehmen, notfalls auch mit nicht völlig legalen Mitteln, einen wirtschaftlichen Vorteil in Form von lukrativen Aufträgen zu verschaffen. Wie oft hört oder liest man von Spitzen-Managern, die entweder selber die Hand verbotener Weise aufgehalten haben oder anderen Leuten „Aufmerksamkeiten“ aus irgendwelchen schwarzen Kassen haben zukommen lassen?

E10 und die Politik

Falls man sich noch immer wundert, warum die Politik den E10 Kraftstoff so hartnäckig verteidigt, sollte man folgendes nicht vergessen:

  1. Die Dienstwagen von Politikern sind in der Regel mit Dieselmotoren bestückt. Da Politiker oft und viel unterwegs sind, haben sich die Mehrkosten in der Anschaffung sehr schnell durch den Preisvorteil an der Zapfsäule amortisiert.
  2. Die gesamte Regierung wird aus Steuermitteln finanziert. Das bedeute auch, das ein Minister die Tankrechnungen für dienstliche Fahrten nicht selber bezahlen muss. Das tut letztendlich der Steuerzahler. Und wie einfach man privates und dienstliches verbinden kann, hat Ulla Schmidt sehr gut in ihrem letzten Spanien-Urlaub als Gesundheitsministerin vorgemacht.

Ich wette, das die Herren Minister auch nur dann mit gutem Vorbild vorangehen und E10 tanken (lassen), wenn die Medien in der Nähe sind. Ansonsten werden die Fahrzeuge der Ministerien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit SuperPlus bzw. normalem Diesel betankt. Es würde ja auch etwas peinlich sein, wenn der Dienstwagen von Herrn Brüderle oder Herrn Röttgen auf der A1 mit einem Motorschaden liegenbleiben würde, weil der E10 Kraftstoff vielleicht doch nicht so ungefährlich ist :mrgreen:

Nein, das Privileg des Motorschadens bleibt wahrscheinlich dem Steuern zahlendem Stimmvieh vorbehalten 👿

Pabobo: Ein positives Beispiel für Social-Media

Viele Twitter-Account von Firmen dienen ja leider nur dazu, One-Way-Kommunikation zu betreiben und Pressemeldungen oder andere Veröffentlichungen, die man z.B. auch als RSS-Feed abrufen kann, bei Twitter ab zu kippen.

Die französische Firma Pabobo ist da eine angenehme Ausnahme, wie ich selber feststellen durfte. Zur Erinnerung: Am Dienstag habe ich folgenden Tweet geschrieben, der sich auf einen Post hier auf diesem Blog bezieht:

http://twitter.com/#!/OstfrieseInFran/status/24882210117001216

Nicht nur, das kurze Zeit später der offizielle Twitter-Account @Pabobo in meiner Follower-Liste auftauchte. Nein, ich erhielt am Mittwoch auch eine Direkt-Nachricht vom Pabobo-Twitter-Account, das man sich freue, das ich die Lumilove Barbapapa möge 1Leon liebt diese Lampe :mrgreen: .

Das beweist, das Pabobo nicht nur die öffentliche Twitter-Timeline auf bestimmte Schlagwörter scannt, was ja viele Unternehmen machen. Nein, die Social-Media Leute bei Pabobo scheinen sich auch die Mühe zu machen, verlinkte Beiträge zu lesen. Das wir eine Lumilove Barbapapa haben, stand nämlich nicht in dem Tweet 😉

Fußnoten   [ + ]

1.Leon liebt diese Lampe :mrgreen: