Geheimplan zur Steigerung der Wahlbeteiligung

Aus mehreren gut informierten Quellen war in den letzten Tagen zu erfahren, das die politisch Verantwortlichen planen, die immer weiter sinkende Wahlbeteiligung durch den Ausschank alkoholischer Getränke in den Wahllokalen zu bekämpfen.

Eine mit den Plänen befasste Person im Bundesinnenministerium, die anonym bleiben möchte, wird mit den Worten

Dann werden die Wahllokale endlich ihrem Namen gerecht. Bislang haben sich viele Bürgerinnen und Bürger immer wieder gefragt, warum es in einem Wahllokal nichts zu trinken gibt.

zitiert.

Laut einer weiteren, gut informierten Quelle sollen den Wählern nach der Abgabe ihrer Stimmzettel in einem Nebenraum des Wahllokales verschiedene regionale Biersorten, Schnäpse und Limonaden gegen einen geringen Unkostenbeitrag angeboten werden. Um die Wähler nicht in Konflikt mit der Straßenverkehrsordnung zu bringen, soll die Abgabe der Getränke jedoch auf eins pro Wähler beschränkt werden.

Zusätzlich dazu planen die Innenminister der Länder für den Fall der Umsetzung dieses Vorhabens, an den Wahltagen polizeiliche Verkehrskontrollen in unmittelbarer Umgebung der Wahllokale durchführen zu lassen. Eine mit dem Vorgang betraute Person aus dem bayrischen Innenministerium, die ebenfalls anonym bleiben möchte, lässt sich mit den Worten

Ich glaube, wir brauchen uns keine Sorgen machen, das sich niemand für diese Kontrollen freiwillig meldet. Unsere Polizistinnen und Polizisten können so immerhin ihren Dienst mit ihrem Wahlrecht auf angenehme Art und Weise verbinden.

zitieren.

Unsere Quellen geben jedoch zu bedenken, das sich diese Pläne noch in einem sehr frühen Stadium befinden und auch noch erst mit dem Justizministerium von Frau Leutheuser-Schnarrenberger abgestimmt werden müssen, die bereits erste Bedenken angemeldet hat. Anschließend müssen sich noch das Bundeskabinett sowie der Bundestag mit diesem Vorschlag und der damit verbundenen Reform des Wahlrechts befassen.

Mit einer Umsetzung dieses Vorhabens sei somit frühstens zur nächsten Bundestagswahl 2018 zu rechnen.

Wer nicht wählt, wählt die Union

Klingt komisch, ist aber so und die Erklärung ist auch relativ einfach.

Bei Wahlen wird das Maximum, also die 100%, immer anhand der abgegebenen gültigen Stimmen bestimmt. Dem entsprechend ist es bei einer hohen Wahlbeteiligung (z.B. 60 Mio. Wähler) deutlich schwerer, ein Ergebnis von z.B. 45% zu erreichen, als dies bei einer niedrigen Wahlbeteiligung (z.B. 40 Mio. Wähler) der Fall ist.

In sofern profitieren natürlich zuerst einmal alle an der Wahl teilnehmenden Parteien von einer niedrigen Wahlbeteiligung, da die Stimmen derer, die gewählt haben, mehr Gewicht bekommen und da die Anzahl der zu vergebenden Mandate nicht von der Wahlbeteiligung sondern höchstens von der Zahl der zusätzlichen Überhangmandate beeinflusst wird.

Da die Wählerschaft der konservativen Parteien im Durchschnitt jedoch älter ist, als z.B. die des linken Spektrums, profitiert die Union mit der (im Verhältnis) größeren Wählerschaft über Gebühr von einer niedrigen Wahlbeteiligung. Das liegt schlicht und einfach daran, das die Anhängerschaft der Union einem wertkonservativen Weltbild folgt und den Gang zur Wahlurne noch eher als Pflicht, denn als Recht begreift, weshalb es der Union auch leichter fällt, ihre Wähler zu mobilisieren.

Von daher hat Angela Merkel natürlich auch absolut kein Interesse daran, sich irgendwelche harten Auseinandersetzungen mit den Spitzenkandidaten der anderen Parteien zu liefern. Immerhin könnten sich dadurch mehr Bürger veranlasst sehen, zur Wahl zu gehen, was in der Vergangenheit bislang immer der SPD zugute kam. Und ein gutes Wahlergebnis der SPD würde für Angela Merkel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sowohl das Ende ihrer schwarz-gelben Koalition als auch ihrer Kanzlerschaft bedeuten.

tl;dr: Wer nicht wählt, wählt Angela Merkel und wer möchte, das Angela Merkel abgewählt wird, muss mithelfen, das möglichst viele Menschen zur Wahl gehen und ihr Kreuz bei einer anderen Partei als CDU/CSU und FDP machen.