Wen soll man denn noch wählen?

Bei der nächsten Bundestagswahl stehen wir ehrlich gesagt vor einem mittelschweren Dilemma: Wen sollen wir denn noch wählen?

Union und FDP haben sich in den letzten knapp 4 Jahren ja selber erfolgreich als unwählbar disqualifiziert und bedürfen daher auch keines weiteren Gedankens. Womit beim Kern des Problems wären:

Die SPD ist, wenn es um den Abbau von Bürgerrechten und den Aufbau eines Überwachungsstaates geht, keinen Deut besser, als die Union. Und wenn es um die Themen Bankenregulierung oder soziale Gerechtigkeit geht, sind sie seit der Agenda 2010 genau so glaubwürdig, wie Al Capone, der beteuert, immer korrekt seine Steuern gezahlt zu haben.

Oder um es kurz, prägnant und im Twitter-Stil zu formulieren:

Die #SPD behauptet, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, steht aber nach wie vor zu #HartzIV. Kein Pointe!

Die Grünen haben dank Fischer und Trittin nach wie vor ein ähnliches Glaubwürdigkeitsproblem wie die SPD, seit sie in der letzten Rot-Grünen Koalition ihre Zustimmung zu Dingen gegeben haben, die für viele Grüne an der Basis im Grunde noch immer No-Gos sind. Zumal sie in vielen Punkten der Wirtschaftspolitik inzwischen eher so etwas wie eine FDP mit grünem Anstrich sind.

Die LINKE wäre sicher eine interessante Option, wären da nicht der Napoleon aus Saarbrücken und die ganzen anderen Spinner aus den westlichen Bundesländern, die es regelmäßig schaffen, die gesamte Partei wieder in Misskredit zu bringen. Da kann dann auch ein so brillanter Redner wie Gregor Gysi nicht mehr viel reißen.

Auch die Piraten waren mal eine interessante Option für die Bundestagswahl, aber für sie gilt das gleiche, wie für die LINKE: die vielen Spinner in den eigenen Reihen haben für ein katastrophales Bild der Partei in der Öffentlichkeit gesorgt und der aktuelle politische Geschäftsführer war anscheinend nicht willens oder in der Lage, daran etwas zu ändern. So zerlegt sich die Partei im Grunde nach Kräften selber und bringt sich dadurch selber um ihre Chancen, die 5%-Hürde zu überspringen. Wer so eine Partei hat, der braucht keinen politischen Gegner mehr!

Und über die AfD brauchen wir auch keine großen Worte verlieren. Mich wundert es nur ein wenig, das man dort nicht auch die Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland fordert.

Fazit: Es ist letztendlich egal, ob am Ende Rot-Grün, Schwarz-Gelb oder eine andere Kombination aus diesen 4 Parteien die nächste Bundestagswahl gewinnt. Insbesondere bei den Bürgerrechten und der sozialen Gerechtigkeit wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach kaum etwas zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger verändern. Auch wenn Rot-Grün das kleinste Übel von allen ist, habe ich irgendwie Bauchschmerzen bei dem Gedanken, diesen Leuten mein Heimatland und das Schicksal meiner und der nachfolgenden Generationen anzuvertrauen.

CC BY-SA 4.0 Wen soll man denn noch wählen? von Heiko Adams ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

6 Antworten auf „Wen soll man denn noch wählen?“

  1. Solange sich Narzisten wie Sigmar Gabriel immer und immer wieder in den Vordergrund drängen, Steinbrück dabei auch immer noch nicht kapiert, dass sein loses Mundwerk ihm eher schadet, solange wird es keinen wirklichen Wechsel im Herbst geben. Die Werte für Merkel als Person sind unfassbar hoch, selbst wenn die Partei schwächelt und derzeit von der kleinen Schwester ordentlich Streß bekommt.

    Ich habe ein wenig die Hoffnung, dass es noch weitere CSU Amigos gibt und das ganze Dilemma dort ausufert, dabei der CDU lustig in die Parade fährt oder Fr Dr Merkel einen Fehler begeht, den man ihr nicht verzeiht. Irgendetwas selten dämliches. Ansonsten habe ich derzeit wenig Hoffnung auf einen wirklichen Wandel, auch wenn es unter dem Strich für Schwarz-Gelb nicht reichen wird, wenn es zur Abrechnung kommt. Die FDP demontiert sich selbst mit Klein-Philli, den man schwer ernst nehmen kann neben dem Mittelstürmer, der aus Altersgründen eher hängende Spitze spielt.

    Was bleibt also?

    Schwarz-Gelb, nein.
    Schwarz-Grün, ebenfalls nein, die grüne Basis würde das nicht akzeptieren.
    Rot-Grün, aktuell ohne nennenswerte Chance.
    Jamaika wäre ein schlechter Witz, gleiches gilt für die Ampel.

    Ich tippe mal auf eine große Koalition, die längst beschlossene Sache ist…

    Und ja, ich bin Parteimitglied einer der 4 Großen 🙂

    1. Ich befürchte auch, das es auf eine große Koalition hinaus laufen wird 🙁

      Parteimitglied war ich auch eine gewisse Zeit, aber es lebt und rantet sich irgendwie entspannter, wenn man nicht auf die Empfindlichkeiten der „Parteifreunde“ Rücksicht nehmen muss 😉

      Und wenn ich jemals wieder in eine Partei eintrete, dann wären es im Moment die Piraten. 😎

  2. Bedingungsloses Grundeinkommen, legales Kiffen und Öffis kostenlos für alle. Sorry Heiko, aber die Piraten sind unwählbar derzeit, verkommen eher ein wenig zur Spaßpartei, wenn man den letzten BPT so sieht (Antrag auf Zeitreisen). Ich bin mal gespannt, was genau man heute beschließen wird als Wahlprogramm, aber mir fehlt da etwas zündendes.

    Um Schwarz-Gelb ernsthaft in Gefahr zu bringen braucht es eben auch Argumente, die man durchaus ernst nehmen kann, wenn du verstehst. Ob die Alternative-für-Deutschland da die richtige Wahl sein wird, keine Ahnung, es ist zumindest offensichtlicher Protest, ähnlich dem, was die Piraten in den letzten 2 Jahren boten. Allerdings drängt sich mir der Eindruck auf, dass diese Partei unterwandert wird von brauner Masse und zwar völlig legal.

      1. ..die aber offenkundig die Sehnsüchte mancher bedienen, anders kann man sich nicht erklären, dass die einen regen Zulauf haben. NUR Protest kann das nicht sein.

        1. Protest und Populismus. Eine gefährliche Mischung. Aber schön mit anzusehen, wie sich die Landesverbände von Berlin und Bayern im Moment selber zerlegen. Das hat Popcorn-Potential 😀

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