Wenn man von etwas keine Ahnung hat

sollte man besser die Schnauze halten! Besonders, wenn man, wie unser Bundesjustizminister, ein öffentliches Amt bekleidet!

Selbiger wird heute von diversen Medien unter anderem mit den Worten

„Es kann nicht sein, dass Internet-Giganten ihre Marktmacht missbrauchen, um sich auf Kosten deutscher Verlage zu bereichern. Das ist nicht gerecht, das ist nicht fair“

zitiert. Von sich gegeben hat er diese Logorrhoe auf einer Tagung von Lokalzeitungsverlegern in Berlin.

So und jetzt mal ein kurzer Realitätsabgleich:

  1. Google im allgemeinen und Google News im speziellen finanzieren sich ausschließlich über Werbung.
  2. Die Verlage profitieren bereits davon, bei Google News gelistet zu sein, indem ein nicht unerheblicher Teil ihres Traffics über Google zustande kommt.
  3. Wenn die deutschen Verlage zu inkompetent unfähig sind, den von Google generierten Traffic ordentlich zu monetarisieren, ist das nicht die Schuld von Google!

Das was die Verlage mit dem Leistungsschutzrecht vorhaben, und wo Google vernünftigerweise nicht mitspielen will, ist in etwa so, als wenn man ein Taxi sowohl für Fahrt zum Kunden, als auch für die eigentliche Fahrt zum Zielort bezahlen soll.

Wer ist hier also unfair geldgierig, Herr Minister? Bestimmt nicht Google! Zumindest in diesem Fall.

Und wer ist so inkompetent dämlich, sich für dieses schäbige Manöver vor den Karren der Verleger spannen zu lassen??

Anti-Leistungsschutzrecht-Plugin und URL-Shortener vom D64

Man mag über den D64 e.V. und andere netzpolitische Vereine denken, was man mag, aber der D64 hat sich zum geplanten Leistungsschutzrecht ein paar nette Sachen einfallen lassen:

Zum einen bietet der Verein ein WordPress-Plugin an, das Links auf Artikel von Presseverlagen auf eine spezielle Landingpage umleitet, die auf die möglichen Folgen des Leistungsschutzrechtes hinweist.

Zum anderen bietet der Verein für alle ohne eigenes WordPress-Blog einen speziellen URL-Shortner an, der URLs verkürzt und, falls es sich um URLs von Presseverlagen handelt, diesen ebenfalls eine spezielle Landingpage mit Informationen über die Folgen des Leistungsschutzrechts, vorschaltet.

Meine Meinung dazu? Ich habe keine Ahnung, ob und in welcher Form das Leistungsschutzrecht überhaupt eingeführt wird. Gut möglich, das man noch rechtzeitig merkt, dass das ja keine wirklich gute Idee ist. Und falls nicht, dürfte man mit Plugin und/oder URL-Shortener zumindest ein wenig ruhiger schlafen können.

Google ist nicht das Problem der Verlage

Es sind die Verlage selber, die zu langsam und dann auch noch zu zögerlich auf die gesellschaftlichen Veränderungen durch das Internet reagiert haben und es bis heute nur selten geschafft haben, ihren Kunden attraktive Geschäftsmodelle zu präsentieren:

  • Warum muss ich für die ePaper-Variante einer Tageszeitung fast immer den gleichen oder einen marginal niedrigeren Preis zahlen, als für die gedruckte Ausgabe am Kiosk? Die Kosten für die Produktion der ePaper-Version sollten doch eigentlich deutlich unter denen der gedruckten Version liegen. Immerhin entfallen mit Druck und Transport die wahrscheinlich größten Posten in den Produktionskosten.
  • Warum kann ich eine Tageszeitung auch nur komplett als ePaper kaufen? Technisch ist es durchaus möglich, das man sich sein ePaper nach seinen Interessen selber zusammenstellen kann. Der ADAC beispielsweise bietet diese Möglichkeit seinen Mitgliedern, die sich dafür entschieden haben, die Mitgliederzeitschrift in elektronischer Form zu lesen, schon seit längerem an.

Die Verlage befinden sich schlicht und einfach in einer selbst verschuldeten Negativ-Spirale: mangels attraktiver Geschäftsmodells brechen die Absatzzahlen ein, was wiederum zur Folge hat, das Anzeigenkunden aufgrund der schrumpfenden Auflage abspringen.

Und um es noch einmal etwas drastischer zu sagen: Der Erfolg von Google News und anderer Newsaggregatoren ist das Ergebnis des Versagens der Verlage. Die Einführung des Leistungsschutzrechts ist in diesem Sinne nicht mehr, als ein im Sterben liegendes Geschäftsmodell künstlich am Leben zu halten!

Hätten die Verlage ihre Hausaufgaben vernünftig gemacht und würden sie ihren Kunden attraktive Geschäftsmodelle anbieten, bräuchten sie kein Leistungsschutzrecht.

Wie Google auf das Leistungsschutzrecht reagieren wird

Im Internet wird momentan munter spekuliert, das Google als Reaktion auf die Ankündigung, ein Leistungsschutzrecht einzuführen, die treibenden Verlage hinter dieser Idee aus seinem Index werfen wird. Wie sie es bereits einmal in Belgien gemacht haben. Nur ist Deutschlands Medienlandschaft nicht mit der Belgischen zu vergleichen. Darüber hinaus wäre so ein Vorgehen für einen findigen Anwalt sicherlich juristisch angreifbar.

Nein, ich glaube Google wird das Problem ganz elegant, aber nicht minder schmerzhaft für die Leistungsschutzrechtbefürworter lösen, indem sie kurz nach dem Beschluss, das Leistungsschutzrecht in Deutschland einzuführen, ankündigen werden, Google News in Deutschland einzustellen.

Google hat sicherlich nicht ohne Hintergedanken immer mal wieder verlauten lassen, das Google News ein defizitäres Produkt ist. Und aus unternehmerischer Sicht ist völlig normal und absolut nicht zu beanstanden, Produkte, die keine Gewinne abwerfen oder wenigstens kostendeckend sind, einzustellen.

Dieser Schritt hätte für Google gegenüber der deindizierung gewisser deutscher Verlage auf jeden Fall den Vorteil, das dieser Schritt juristisch kaum angreifbar ist, da es sich um eine unternehmerische Entscheidung handelt, die zufälligerweise in einem zeitlichen Zusammenhang mit einem Pro-Leistungsschutzrecht Beschluss des Bundestags fällt. Das Gegenteil dürfte jedenfalls kaum zu beweisen sein.

Leistungsschutzrecht? Für was?

Seit gestern Abend diskutiert das deutschsprachige Internet mehr oder minder lebhaft über das von der Verlegerlobby gewünschte und von der Bundesregierung jetzt beschlossene Leistungsschutzrecht.

Meine persönliche Meinung zu dieser Entscheidung habe bereits wie folgt auf Google+ kund getan:

Ein weiterer Beweis dafür, das wir uns eine Regierung leisten, die das Internet nicht versteht und die lieber Partikularinteressen befriedigt, anstatt sich um die wichtigen sozialen und gesellschaftlichen Probleme zu kümmern.

Jetzt stellt sich aber durchaus die Frage, für welche Leistung die Verlage ein Schutzrecht beanspruchen?

  • Dafür, das sie es bislang nicht geschafft haben, ihre veralteten Vertriebsmodelle nicht an die sich ändernde Medienlandschaft anzupassen? Frei nach dem Motto „die Realität hat sich mir anzupassen und nicht umgekehrt!„?
  • Oder vielleicht dafür, immer mehr Redaktionen, bevorzugt bei Lokalblättern, bis an deren Schmerzgrenze und darüber hinaus zusammen zu streichen und die lokalen Zeitungen immer mehr ihrer Identität zu berauben?
  • Vielleicht wollen sie sich auch einfach nur das stumpfe 1:1 übernehmen von Agenturmeldungen, inklusive der teilweise darin enthaltenen Fehler und Unwahrheiten, mehrmals kassieren?

Wie dem auch sei, ich sehe bei der Verlagslobby absolut gar nichts, was die Einführung eines solchen Schutzrechtes auch nur im Ansatz rechtfertigen würde. Aber hier erkennt man auch wieder einmal sehr deutlich das „Erfolgsrezept“ der deutschen Wirtschaft, wenn es mal nicht mehr so rund läuft: ausdauernd und auf hohem Niveau über das „böse Internet“ jammern und die eigenen Lobbyisten Überstunden machen lassen. Irgendwann hat man die entscheidenden Politiker schon weich gekocht und bekommt seine veraltetes Geschäftsmodell durch den Gesetzgeber zementiert.

Nebenbei hebelt man auf diesem Weg auch noch gewisse Mechanismen der freien Marktwirtschaft zu den eigenen Gunsten aus, die ansonsten irgendwann unweigerlich dafür sorgen würden, das man selber ein Opfer des Wettbewerbs wird und von der Bildfläche verschwindet, weil man es nicht rechtzeitig geschafft hat, sich an die veränderte marktwirtschaftliche Umgebung anzupassen.

Wie war das noch mit den Selbstheilungskräften eines freien Marktes?