Wenn man von etwas keine Ahnung hat

sollte man besser die Schnauze halten! Besonders, wenn man, wie unser Bundesjustizminister, ein öffentliches Amt bekleidet!

Selbiger wird heute von diversen Medien unter anderem mit den Worten

„Es kann nicht sein, dass Internet-Giganten ihre Marktmacht missbrauchen, um sich auf Kosten deutscher Verlage zu bereichern. Das ist nicht gerecht, das ist nicht fair“

zitiert. Von sich gegeben hat er diese Logorrhoe auf einer Tagung von Lokalzeitungsverlegern in Berlin.

So und jetzt mal ein kurzer Realitätsabgleich:

  1. Google im allgemeinen und Google News im speziellen finanzieren sich ausschließlich über Werbung.
  2. Die Verlage profitieren bereits davon, bei Google News gelistet zu sein, indem ein nicht unerheblicher Teil ihres Traffics über Google zustande kommt.
  3. Wenn die deutschen Verlage zu inkompetent unfähig sind, den von Google generierten Traffic ordentlich zu monetarisieren, ist das nicht die Schuld von Google!

Das was die Verlage mit dem Leistungsschutzrecht vorhaben, und wo Google vernünftigerweise nicht mitspielen will, ist in etwa so, als wenn man ein Taxi sowohl für Fahrt zum Kunden, als auch für die eigentliche Fahrt zum Zielort bezahlen soll.

Wer ist hier also unfair geldgierig, Herr Minister? Bestimmt nicht Google! Zumindest in diesem Fall.

Und wer ist so inkompetent dämlich, sich für dieses schäbige Manöver vor den Karren der Verleger spannen zu lassen??

Zeitungssterben

Seit letzte Woche bekannt wurde, das die altehrwürdige Frankfurter Rundschau Insolvenz angemeldet hat, geistert der Begriff des Zeitungssterbens durch die Medien. Doch was wir bei der FR und wohl demnächst auch bei der Financial Times und einigen anderen Blättern erleben, ist im Grunde nichts weiter als eine von den Verlagen zur Katastrophe hoch stilisierte Martkbereinigung.

Kein Verlag dieser Welt kann es sich auf Dauer erlauben unrentable Publikationen mit den Einnahmen aus profitablen Publikationen quer zu subventionieren. Alleine schon aus wirtschaftlichen Gründen wird er früher oder später gezwungen sein, seinen Verlustbringern den sprichwörtlichen Saft abzudrehen. Das ist genau so wie im TV. Da werden Sendungen mit schlechten Einschaltquoten auch nach einer gewissen Zeit abgesetzt. Im Gegensatz zu TV sind bei den Printmedien die Ursachen für das so genannte Zeitungssterben sehr oft hausgemacht und konsequenterweise müsste man eigentlich auch die für die eingestellten Blätter verantwortlichen Manager wegen Erfolglosigkeit entlassen.

Das die Verlage aber gerne mal versuchen, marktwirtschaftliche Mechanismen, wie eben die momentan stattfindende Bereinigung des Zeitungsmarktes, mit Hilfe der Politik außer Kraft zu setzen, dürfte spätestens seit der Diskussion um das Leistungsschutzrecht bekannt sein.

Auch das vor allem vom Springer Verlag propagierte Heilmittel Paywall wird gewisse Publikationen nicht automatisch vor ihrem Untergang retten. Sie kann den Niedergang im schlimmsten Fall sogar noch beschleunigen. Nämlich dann, wenn mit der Paywall kein für den Kunden attraktives Geschäftsmodell verbunden ist, das es ihm beispielsweise erlaubt, schnell und unkompliziert einen fairen Preis für den Zugang zu einzelnen Texten zu bezahlen.

Google ist nicht das Problem der Verlage

Es sind die Verlage selber, die zu langsam und dann auch noch zu zögerlich auf die gesellschaftlichen Veränderungen durch das Internet reagiert haben und es bis heute nur selten geschafft haben, ihren Kunden attraktive Geschäftsmodelle zu präsentieren:

  • Warum muss ich für die ePaper-Variante einer Tageszeitung fast immer den gleichen oder einen marginal niedrigeren Preis zahlen, als für die gedruckte Ausgabe am Kiosk? Die Kosten für die Produktion der ePaper-Version sollten doch eigentlich deutlich unter denen der gedruckten Version liegen. Immerhin entfallen mit Druck und Transport die wahrscheinlich größten Posten in den Produktionskosten.
  • Warum kann ich eine Tageszeitung auch nur komplett als ePaper kaufen? Technisch ist es durchaus möglich, das man sich sein ePaper nach seinen Interessen selber zusammenstellen kann. Der ADAC beispielsweise bietet diese Möglichkeit seinen Mitgliedern, die sich dafür entschieden haben, die Mitgliederzeitschrift in elektronischer Form zu lesen, schon seit längerem an.

Die Verlage befinden sich schlicht und einfach in einer selbst verschuldeten Negativ-Spirale: mangels attraktiver Geschäftsmodells brechen die Absatzzahlen ein, was wiederum zur Folge hat, das Anzeigenkunden aufgrund der schrumpfenden Auflage abspringen.

Und um es noch einmal etwas drastischer zu sagen: Der Erfolg von Google News und anderer Newsaggregatoren ist das Ergebnis des Versagens der Verlage. Die Einführung des Leistungsschutzrechts ist in diesem Sinne nicht mehr, als ein im Sterben liegendes Geschäftsmodell künstlich am Leben zu halten!

Hätten die Verlage ihre Hausaufgaben vernünftig gemacht und würden sie ihren Kunden attraktive Geschäftsmodelle anbieten, bräuchten sie kein Leistungsschutzrecht.

Wie Google auf das Leistungsschutzrecht reagieren wird

Im Internet wird momentan munter spekuliert, das Google als Reaktion auf die Ankündigung, ein Leistungsschutzrecht einzuführen, die treibenden Verlage hinter dieser Idee aus seinem Index werfen wird. Wie sie es bereits einmal in Belgien gemacht haben. Nur ist Deutschlands Medienlandschaft nicht mit der Belgischen zu vergleichen. Darüber hinaus wäre so ein Vorgehen für einen findigen Anwalt sicherlich juristisch angreifbar.

Nein, ich glaube Google wird das Problem ganz elegant, aber nicht minder schmerzhaft für die Leistungsschutzrechtbefürworter lösen, indem sie kurz nach dem Beschluss, das Leistungsschutzrecht in Deutschland einzuführen, ankündigen werden, Google News in Deutschland einzustellen.

Google hat sicherlich nicht ohne Hintergedanken immer mal wieder verlauten lassen, das Google News ein defizitäres Produkt ist. Und aus unternehmerischer Sicht ist völlig normal und absolut nicht zu beanstanden, Produkte, die keine Gewinne abwerfen oder wenigstens kostendeckend sind, einzustellen.

Dieser Schritt hätte für Google gegenüber der deindizierung gewisser deutscher Verlage auf jeden Fall den Vorteil, das dieser Schritt juristisch kaum angreifbar ist, da es sich um eine unternehmerische Entscheidung handelt, die zufälligerweise in einem zeitlichen Zusammenhang mit einem Pro-Leistungsschutzrecht Beschluss des Bundestags fällt. Das Gegenteil dürfte jedenfalls kaum zu beweisen sein.